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Anschlag : Autobombe gegen die BBC

  • Aktualisiert am

Nach dem Anschlag Bild: dpa

Der Anschlag auf den britischen Fernsehsender BBC könnte nur der Auftakt zu einer Reihe von Gewalttaten sein, glaubt Scotland Yard.

          „Wir hörten einen lauten Schlag und die Fensterscheiben klirrten. In wenigen Sekunden roch es stark nach Verbranntem. Es war ein Schock“, beschreibt Margaret Ryan vom britischen Fernsehsender BBC auf der Homepage des Senders ihre Erlebnisse in der Nacht zum Sonntag. In einem am Morgen gekauften roten Taxi hatten vermutlich nordirische Terroristen fünf bis zehn Kilogramm Sprengstoff vor die Tür der Zentrale des Senders gefahren und um 0.30 Uhr explodieren lassen.

          Die Experten von Scotland Yard konnten die Bombe nach einer Warnung um 23.20 Uhr zwar nicht mehr entschärfen, aber bei dem Anschlag wurde niemand ernsthaft verletzt. Ein BBC-Kameramann konnte die Explosion sogar von einem Parkhaus aus filmen. Herumfliegende Splitter schnitten einen Mitarbeiter der Londoner U-Bahn. Die Detonation erschütterte Gebäude im Umkreis von 200 Metern, ein orangefarbener Feuerball stieg über dem Medienkomplex im Westen Londons auf.

          Die „Wahre IRA“

          Für den Anti-Terror-Chef bei Scotland Yard, Alan Fry, steht fest, dass die „Wahre IRA“ für den Anschlag verantwortlich ist: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass diese Explosion Teil einer Serie oder Kampagne von Angriffen ist.“ Die „Wahre IRA“ ist eine Splittergruppe der IRA und bekämpft den Friedensprozess in Nordirland. Im Oktober 1997 spaltete sich die Gruppe ab und ihre mindestens 100 Mitglieder können wahrscheinlich auf das Waffen- und Sprengstoffarsenal der IRA zurückgreifen.

          Der „Wahren IRA“ wird das Bombenattentat in Omagh im August 1998, bei dem 29 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt wurden, zugeschrieben. Nach diesem Attentat erklärte die „Wahre IRA“ einen Waffenstillstand, aber bald schon explodierten in Stadtzentren neuerlich Bomben, die Sicherheitsexperten auf das Konto der Gruppe rechnen.

          Bomben in London

          Gerade in West London, wo auch die Zentrale der BBC steht, häufen sich die Anschläge. Zuletzt am 21. Februar zuvor am 19. Juli und am 1. Juni vergangenen Jahres explodierten dort Bomben. Am 20. September wurde das Hauptquartier des britischen Geheimdienstes MI6 mit einer Rakete beschossen.

          Reaktionen der Politik

          Die britische Regierung verurteilte das Attentat scharf. „Die Verantwortlichen sollten nicht an unserer Entschlossenheit zweifeln, sie zu finden und sie vor Gericht zu bringen“, sagte ein Regierungssprecher am Sonntag. Die nordirische Protestantenpartei beschrieb den Anschlag als „vorhersehbar“, da die Terroristen ihre Waffen nicht abgegeben hätten.

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