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Anschläge in Madrid : Weitere Festnahmen

  • Aktualisiert am

Madrid: Verhaftung eines mutmaßlich am Attentat beteiilgten Mannes Bild: AP

Eine Woche nach den Terroranschlägen in Madrid hat die Polizei vier weitere verdächtige Nordafrikaner festgenommen, die Verbindung zum islamistischen Terrornetzwerk haben sollen.

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          Eine Woche nach Attentaten in Madrid hat die spanische Polizei vier weitere Verdächtige festgenommen. Wie am Donnerstag aus Ermittlerkreisen verlautete, stammten die Festgenommenen aus Nordafrika. Drei von ihnen wurden von der Polizei in der Stadt Alcalá de Henares aufgegriffen.

          Drei der vier Züge, in denen die insgesamt zehn Bomben explodierten, waren in der östlich von Madrid gelegenen Universitätsstadt abgefahren; der vierte Zug hatte dort am Bahnhof gehalten. In der Kleinstadt wurde auch kurz nach der Tat ein Lieferwagen entdeckt mit Zündern und einem Arabisch besprochenen Tonband. Ein vierter Verdächtiger wurde in Nordspanien festgenommen.

          „Gott allein über mir“

          Einer der Festgenommenen steht angeblich seit den Anschlägen im Mai vorigen Jahres in Casablanca auf der Fahndungsliste und soll kurz vor dem 11. März nach Spanien gekommen sein. Die fünf schon am vorigen Sonntag in Madrid Festgenommenen - drei Marokkaner und zwei Inder - sollten am Donnerstag dem zuständigen Ermittlungsrichter in der Hauptstadt vorgeführt werden. Der Hauptverdächtige, der 31 Jahre alte Marokkaner Jamal Zougam, soll zuvor bei seinen Verhören durch die Polizei gesagt haben, daß „Gott allein über mir steht“ und „Gott das einzige ist, was mich kümmert“. Der aus Tanger stammende Mann ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt seit Jahren in dem „arabischen“ Madrider Stadtviertel Lavapies.

          Gilt als Chef einer Al-Qaida-Zelle: Der inhaftierte Abu Dahdah
          Gilt als Chef einer Al-Qaida-Zelle: Der inhaftierte Abu Dahdah : Bild: AP

          Dorthin hatten die Spuren am vorigen Donnerstag nach der Sicherstellung eines mit Sprengstoff gefüllten Rucksacks und einem, mit dem Zünder verbundenen Handy geführt. Die sichergestellte Rucksackbombe ist mutmaßlich nicht explodiert, weil der den Zünder auslösende Telefonwecker auf 7.40 Uhr abends statt 7.40 vormittags - dem Tatzeitpunkt - eingestellt war.

          Abu Dahdah will aussagen

          Damit wurden in Spanien im Zusammenhang mit den Attentaten insgesamt zehn Verdächtige festgenommen. Ermittlungsrichter Garzón ordnete eine vorläufige Verlängerung der Haft für einen am Dienstag in San Sebastián festgenommenen Algerier an, der dort schon im Januar bei einer Rauschgiftrazzia der Polizei den Beamten gesagt haben soll, daß es in zwei Monaten auf dem Madrider Bahnhof Atocha viele Tote geben werde. Der Bettler und Gelegenheitsarbeiter namens Ali Amrous soll einen Bruder gehabt haben, welcher zu einer radikalen islamistischen Gruppe in Algerien gehörte und ermordet wurde.

          Ebenfalls im Zusammenhang mit den Anschlägen von Madrid sollte am Donnerstag der als Chef einer Al-Qaida-Zelle in Spanien verdächtigte Imad Eddin Barakat Yarkas alias Abu Dahdah aussagen. Dieser habe die Aussage selbst beantragt, sagte ein Justizsprecher. Abu Dahdah wird von den spanischen Ermittlern verdächtigt, an den Vorbereitungen der Attentate vom 11. September 2001 beteiligt oder zumindest in die Anschlagspläne eingeweiht gewesen zu sein. Er sitzt seit November 2001 in Haft. Am Montag hatte er die Anschläge von Madrid verurteilt, bei denen 201 Menschen getötet und fast 1500 verletzt wurden.

          Spuren von Casablanca nach Madrid

          Die Madrider Attentäter sollen 15 bis 20 Tage lang die Bahnhöfe der spanischen Hauptstadt studiert haben. Zwei Gruppen zu jeweils drei Mann hätten dann die Bomben plaziert, die in vier Zügen explodierten, berichtete die Zeitung „La Vanguardia". Zougam gilt den Ermittlungsbehörden als Schlüsselfigur zur Aufklärung der Terroranschläge und für die Hypothese ist, daß die Selbstmordattentate im vergangenen Jahr in der marokkanischen Wirtschaftsmetropole (45 Tote) und die Anschläge jetzt in Madrid (201 Tote) von den gleichen radikalen Islamistengruppen geplant und ausgeführt worden sein könnten.

          Als weiteres Indiz gilt die angebliche Freundschaft Zougams mit dem ebenfalls aus Tanger stammenden Salah Eddin Benyaich alias Abu Mughen, der nach Casablanca festgenommen wurde und dort noch in Haft ist. Auch dessen Bruder Abdelaziz Benyaich soll Zougam wiederholt in Spanien besucht haben und von ihm in Marokko noch kurz vor dem Mai-Verbrechen vorigen Jahres in Casablanca besucht worden sein.

          Aznar-Regierung wehrt sich

          Die amtierende spanische Regierung von Ministerpräsident Aznar versuchte am Donnerstag den Vorwürfen der Manipulation und Nachrichtenverzögerung entgegenzuwirken, indem sie die Freigabe der Geheimdienstinformationen des Nationalen Aufklärungszentrums (CNI) anordnete. Innenminister Acebes teilte weiter mit, daß der Geheimdienst die Regierung am 11. März um 15.51 Uhr unterrichtet habe, daß dieser es „für nahezu sicher“ halte, daß „Eta die Urheberin dieser Attentate ist“. Auf der Grundlage der zu jenem Zeitpunkt verfügbaren Daten habe es noch keine materiellen Hinweise auf islamistische Organisationen wie Al Qaida gegeben.
          Angesichts der „weiteren Terrorgefahr in Spanien“ hatte der Ministerrat zuvor ein Bündel von Sicherheitsvorkehrungen beschlossen und, nach eigenen Angaben, mit Vertretern der Sozialistischen Partei des Wahlsiegers und nächsten Ministerpräsidenten Zapatero abgestimmt. Sie ähneln entsprechenden Maßnahmen in anderen europäischen Ländern: verschärfte Kontrollen der Grenzen, des Luftraums, der Häfen, Flughäfen, Verkehrsknotenpunkte, Bahnhöfe, Untergrundbahnen und Sportstadien.

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