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Nach Anschlägen in Kabul : Abschiebeflug nach Afghanistan abgesagt

  • Aktualisiert am

Anfang 2017 rollt ein mit abgelehnten Asylsuchenden besetztes Flugzeug auf dem Flughafen in München zur Startbahn. Bild: Matthias Balk/dpa

Die Afghanen waren bereits zur Abschiebung nach München gebracht worden, doch der Flug startete am Abend nicht. Es könnte einen Zusammenhang mit der Sicherheitslage im Land und tödlichen Angriffen in Kabul geben.

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          Ein ursprünglich für Dienstagabend geplanter Abschiebeflug nach Afghanistan ist von deutscher Seite kurzfristig abgesagt worden. Nach Informationen der dpa waren mehrere afghanische Männer, die von München nach Kabul hätten fliegen sollen, zum Zeitpunkt der Absage bereits in die bayerische Landeshauptstadt gebracht worden.

          Zu den Gründen für die Entscheidung gab es zunächst keine offiziellen Angaben. In der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte es am Dienstag eine Reihe tödlicher Angriffe gegeben.

          In den vergangenen Jahren waren ausschließlich Männer – vorwiegend Straftäter und sogenannte Terrorgefährder – gegen ihren Willen von Deutschland nach Afghanistan zurückgebracht worden. Bundespolitiker der Grünen und der Linken halten Abschiebungen in das Land nach dem jüngsten Vormarsch der Taliban für nicht vertretbar.

          Die Bundesregierung hatte sich dagegen zuletzt in Kabul dafür eingesetzt, dass Abschiebungen grundsätzlich weiterhin möglich sein sollen. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet äußerte sich ähnlich.

          Mehrere Attacken mit mindestens vier Toten in Kabul

          Bei den offenbar koordinierten Angriffen in Kabul wurden nach Angaben von Sicherheitskräften vier Menschen getötet. Zudem seien 20 Menschen verletzt worden, sagte ein Vertreter der afghanischen Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatten mehrere Explosionen und Schüsse die Hauptstadt erschüttert. Das Innenministerium verkündete, alle Angreifer seien getötet worden.

          Die USA sprachen in einer ersten Reaktion von „Anschlägen“, welche die „Handschrift“ der Taliban tragen. Zwar könne den radikalislamischen Kämpfern derzeit noch nicht offiziell die Verantwortung zugewiesen werden, sagte Außenamtssprecher Ned Price in Washington vor Journalisten. „Aber es ist die Handschrift der Welle von Taliban-Anschlägen, die wir in den vergangenen Wochen gesehen haben.“

          Nach offiziellen Angaben explodierte unter anderem eine Autobombe in der Nähe des Hauses von Verteidigungsminister Bismillah Mohammadi. „Keine Sorge, alles ist in Ordnung“, twitterte dieser wenig später. Die Taliban und andere Gruppierungen hatten in der Vergangenheit immer wieder Sprengstoffanschläge in Kabul verübt.

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