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Plagiatsaffäre : Schavan gibt Kampf um Doktortitel auf

  • Aktualisiert am

Annette Schavan im Bundestag Bild: AP

Die frühere Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) verzichtet auf ihren Doktortitel. Die juristische Auseinandersetzung darum will sie nicht weiterführen.

          Die ehemalige Bundesministerin Annette Schavan (CDU) will nicht weiter gegen den Entzug ihres Doktortitels vorgehen. Eine Mitarbeiterin ihres Büros im Bundestag bestätigte am Donnerstag einen Bericht der „Rheinischen Post“, wonach Schavan keine Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts einlegen will.

          Die Richter hatten ihre Klage gegen den Entzug des Titels zurückgewiesen und Schavan attestiert, in der Dissertation getäuscht zu haben. Die Ulmer Bundestagsabgeordnete muss den Titel damit am 7. Mai ablegen. An diesem Freitag soll sie trotz Kritik die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck verliehen bekommen. Die Universität argumentiert, die Ehrendoktorwürde werde nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern für Verdienste um die Hochschule verliehen.

          „Jetzt bereite ich mich auf neue Aufgaben vor“

          Sie habe sich dazu entschieden, die juristische Auseinandersetzung zu beenden, obwohl sie nach wie vor der Ansicht sei, dass ihr der Titel zu Unrecht entzogen worden sei. „Jetzt bereite ich mich auf neue Aufgaben vor und freue mich darauf“, wird Schavan von der Zeitung zitiert. Die engagierte Katholikin soll Botschafterin Deutschlands beim Vatikan werden.

          Ihre Anwälte hatten das schriftliche Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf am Montag erhalten. Eine Berufung war nicht zugelassen worden, Schavan hätte dagegen nur noch mit einem Antrag vorgehen können.

          Nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war die CDU-Politikerin Schavan das zweite Kabinettsmitglied, das Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durch eine Plagiatsaffäre verlor. Die Nachricht, dass der Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ihr den Doktorgrad aberkannt hat, erreichte Schavan im Februar 2013 während einer Dienstreise in Südafrika. Nach ihrer Rückkehr und einer Unterredung mit der Kanzlerin, die ihr in den Monaten zuvor mehrfach das „volle Vertrauen“ zugesichert hatte, trat Schavan zurück.

          Plagiatjsäger hatten mit der Website „Schavanplag“ den Anfang vom Ende Schavans als Wissenschaftsministerin eingeläutet: „Als Muster lässt sich erkennen, dass die Verfasserin oft vorgibt, Primärquellen zu rezipieren, während sie tatsächlich mit leichten Abwandlungen aus der Sekundärliteratur abschreibt, ohne diese zu nennen“, warfen sie ihr vor.

          Später hatte ihr der Fakultätsrat der Uni eine „leitende Täuschungsabsicht“ bescheinigt, was Schavan mehrfach zurückgewiesen hatte. Auch das Verwaltungsgericht war schließlich in Schavans 1980 eingereichter Doktorarbeit mit dem Titel „Person und Gewissen“ auf „60 Täuschungsbefunde“ gestoßen.

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