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Angriff auf Sender TV5 Monde : Cyber-Dschihad

TV5 Monde ist kein militärisches Ziel. Indem der Islamische Staat den Fernsehsender ausgesucht hat, zeigt er, wovor er sich fürchtet: Vor der Anziehungskraft der freien Welt.

          Der Hackerangriff auf den französischsprachigen Fernsehsender TV5 Monde illustriert, dass der „Islamische Staat“ und sein „Kalifat“ ihren Krieg nicht mehr nur blutig auf dem Boden der arabischen Welt austragen, sondern inzwischen auch virtuell bei uns. Die Konfrontation mit dem IS beschränkt sich nicht länger auf konventionelle Kriegführung. Ein weiteres Schlachtfeld ist das World Wide Web; auf ihm findet die globale Konfrontation mit der Terrormiliz statt. Relativ harmlos war noch der erste Cyberangriff des IS im Januar. Damals, wenige Tage nach dem Terroranschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ in Paris, waren die Cyberkrieger in Programme der amerikanischen Kommandozentrale im Nahen Osten, des Central Command, eingedrungen. Das war erst der Anfang. Nach TV5 Monde wird sich der Cyberterror des IS weitere Ziele suchen. Wir sind gewarnt.

          Über die Cyberattacke gegen TV5 Monde kann nur überrascht sein, wer die Terrormiliz, die in Teilen Syriens und des Iraks einen real existierenden Terrorstaat führt, bisher deshalb unterschätzt hat, weil sie eine Ordnung aus dem siebten Jahrhundert wiederherzustellen vorgibt, dabei auf archaische Methoden wie das Enthaupten zurückgreift und in ihrer theologischen Rabulistik für jegliche Vernunft unempfänglich ist. Dabei ist für viele Jugendliche gerade diese Mischung aus Archaischem und Modernem attraktiv. Denn der IS rekrutiert im Westen seine Krieger ja nicht mittels Keilschrift. Vielmehr gewinnt der IS Jugendliche in den Sozialen Medien und durch eine professionell aufbereitete Propaganda für den Dschihad.

          In Syrien und im Irak ist der IS physisch präsent, in den Sozialen Medien findet er für die Verbreitung des geistigen Terrors einen ebenso wichtigen, unkontrollierten Raum. Nicht nur die Regierungen haben die Gefahr des neuen Cyber-Dschihads erkannt; sie finden im Hackerkollektiv Anonymous unerwartet einen Partner, um gegen die – ebenfalls anonymen – Cyberkrieger des IS vorzugehen. Beide verteidigen dabei unsere Freiheit. Denn Anonymous greift Websites und Soziale Medien des IS an, um die Terroristen an der Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu hindern. TV5 Monde ist kein militärisches Ziel wie das Central Command. Indem der IS den Fernsehsender ausgesucht hat, zeigt er, wovor er sich fürchtet: Vor der Anziehungskraft der freien Welt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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