https://www.faz.net/-gpf-p6b5

Angela Merkel wurde 50 : Geburtstagsfeier mit Köpfchen

  • -Aktualisiert am

Angela Merkel, ihr Mann und Edmund Stoiber beim Festvortrag. Bild: AP

Zu ihrem Geburtstag hatte sich die Physikerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel einen Vortrag des Hirnforschers Wolf Singer gewünscht.

          Fast hätte FDP-Chef Guido Westerwelle Angela Merkels Geburtstagsparty verpaßt. Die CDU-Einladung zu einem Vortrag über „Das Gehirn: Ein Beispiel zur Selbstorganisation komplexer Systeme“ landete zunächst in Westerwelles Ablage. So dürfte es vielen gegangen sein, die am Montagabend dann doch ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus kamen. Denn beim genauen Hinsehen stellte sich heraus, daß es um die offizielle CDU-Feier zu Merkels 50. Geburtstag ging, den sie zuvor im Familienkreis am Samstag gefeiert hatte.

          Keine Kommandozentrale

          Merkel hatte sich von ihrer Partei einen Vortrag des Hirnforschers Wolf Singer gewünscht. Seinem Diskurs über Verschaltungen im Kopf, Synapsen und Hirnströme versuchten neben vielen Unions-Größen, BDI-Chef Michael Rogowski, ver.di-Chef Frank Bsirske auch Merkels Ehemann Joachim Sauer, Merkels Mutter und Geschwister sowie weitere mehrere hundert Gäste zu folgen. Zumindest Singers Botschaften am Ende waren verständlich. Erstens: Das Gehirn hat keine Kommandozentrale und zweitens: Machbarkeit auf lange Sicht ist eine Utopie, Prozesse sind nicht langfristig planbar.

          Auf diesen Punkt wies listig auch CSU-Chef Edmund Stoiber hin, der mit Merkel „Doppel-Kopf“ in der Union spielt und 2006 wohl gern wieder den Kanzler herausfordern würde. Stoiber überbrachte höflich Geburtstagsgrüße „als Schwester“ und nahm - allen großkoalitionären Debatten zum Trotz - das „gemeinsame Ziel, das sie, Herr Westerwelle und ich haben“, ins Visier.

          Weder „Kohls Mädchen“ noch „Macchiavelli aus Mecklenburg“

          Westerwelle erinnerte im Anschluß daran, daß Merkel ihm nach seiner Wahl zum FDP-Generalsekretär einst den Weg in die Koalitionsrunden bei Helmut Kohl (CDU) erleichtert hatte. Für ihn sei Merkel weder „Kohls Mädchen“ noch ein „Machiavelli aus Mecklenburg-Vorpommern“ gewesen, hob ein gut gelaunter FDP-Chef hervor und wünschte seiner Duz-Freundin „Glück, Gesundheit und ausdrücklich auch Erfolg“. Was Westerwelle damit meinte, konnte ebenso nur gemutmaßt werden wie die Bedeutung der Worte von CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, Merkels Wünsche mögen sich „in gemäßer Form“ erfüllen.

          Struktur und Chaos liegen eng beieinander

          Ein bißchen Kultur gab es auch noch. Ein Shanty-Chor aus Merkels Wahlkreis sang Lieder über die Insel Rügen, ein Streicher-Quintett bot fast endlos Varianten von „Happy Birthday to you“ dar. Am Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung verzichtete Merkel auf große Worte, aber nicht auf ihren Wissenszuwachs durch den Singer-Vortrag: Strukturiertes und chaotisches Verhalten lägen dicht beieinander. Konkreter wurde Merkel am Abend der Höflichkeiten nicht.

          Weitere Themen

          Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

          Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

          Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

          Keine Ruhe im Pentagon

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.

          Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

          Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

          Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.
          Will ihren WM Titel von 2018 verteidigen: Kickboxerin Marie Lang

          FAZ Plus Artikel: Kickbox-Weltmeisterin Lang : Vom Küken zur Kriegerin

          Als Marie Lang zum Kickboxem kam, war sie ein „megaschüchterner Teenie“ – immer in der Opferrolle, wenn sie in der Disco einer begrapscht hat. Dank ihres Sports und ihres Trainers ist sie nun stark. Nur eines ist geblieben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.