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Treffen mit Trump : Nach dem Strahlemann kommt die Buhfrau

  • -Aktualisiert am

Irritiert: Angela Merkel 2017 mit Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Bild: Reuters

Der französische Präsident Macron kam als Trump-Versteher und Waffenbruder nach Washington. Bundeskanzlerin Merkel wird es an diesem Freitag schwerer haben.

          Am Dienstag saß Donald Trump neben Emmanuel Macron und sprach über den Handel. „Die Europäische Union ist sehr hart zu uns. Sie haben inakzeptable Handelsschranken“, klagte der amerikanische Präsident und verwies auf den Agrarsektor. Mit fast schon zärtlichem Seitenblick auf seinen französischen Gast fügte Trump hinzu: „Ich wünschte, ich hätte nur mit Frankreich zu tun.“ In seiner Erwiderung sollte Macron ihn zwar kurz ermahnen, dass man „mit Verbündeten keinen Handelskrieg führt“. Doch zunächst bedankte er sich bei Trump: „Fairerweise haben Sie daran erinnert, dass die bilaterale Handelsbeziehung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten ausgeglichen ist.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Da wird Angela Merkel es schwerer haben, wenn sie an diesem Freitag ebenfalls im Weißen Haus vorspricht. Trump verlangt von Deutschland, seinen Exportüberschuss abzubauen. Die Bundeskanzlerin wird wohl ihren Unmut darüber bekräftigen, dass Trump Sicherheitssorgen vorschützte, um mit Zöllen Amerikas Stahl- und Aluminiumindustrie zu protegieren. Dabei wird es ihr wenig nützen, wenn sie Trump erklärt, dass die Franzosen bei der Öffnung des Agrarmarkts viel stärker auf der Bremse stehen als die Deutschen. Merkel weiß, wie entschlossen Trump und Macron sind, ihre Freundschaft zu zelebrieren. Sie hat keine Ambitionen, dem Franzosen sein mit kräftígem Händeschütteln, Küsschen und sonstigen Verbrüderungsgesten erarbeitetes Sonderverhältnis streitig zu machen. Indem sie den Terminvorschlag des Weißen Hauses akzeptierte, nahm sie vielmehr in Kauf, dass ihr Arbeitsbesuch zum schnöden Anhängsel der drei Glanz-und-Gloria-Tage von Macrons Staatsbesuch wird. Nach dem Strahlemann aus Paris bekommt Trump Besuch vom Berliner Buhmann.

          Doch nach monatelanger Funkstille, als sich die Kanzlerin eine Regierung suchte und Trump seine protektionistische Agenda zuspitzte, wollte sie nicht länger warten. Schließlich laufen sowohl im Handelsstreit als auch beim Thema Iran in den kommenden zwei Wochen wichtige Fristen aus. Nicht nur im Vergleich zu Macrons Visite, sondern auch zu ihrem eigenen Besuch im März 2017 ist das Programm straff: kurzes Vier-Augen-Gespräch im Oval Office, Mittagessen der Delegationen, Pressekonferenz, Rückflug. Andererseits sind zweieinhalb Stunden nicht so wenig, wenn man Trumps Aufmerksamkeitsspanne in Rechnung stellt.

          Die alten Gesprächspartner sind weg

          Das Gespräch über den Handel ist eine Gratwanderung für Merkel. Die deutsche Linie lautet, dass man über Beschwernisse beim wechselseitigen Marktzugang gern reden könne – aber nicht isoliert für einzelne Sparten, sondern umfassend. Merkel muss aber den Eindruck vermeiden, sie unterminiere die allein zuständige EU-Kommissarin Cecilia Malmström. Die vertritt die Haltung, dass Gespräche mit den Amerikanern nur dann geführt werden könnten, wenn die Europäer langfristig von den neuen Zöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen werden. Lieber fechte man die Zölle bei der WTO an, als mit vorgehaltener Waffe zu verhandeln. Die der EU bisher zugebilligte Ausnahme läuft am kommenden Dienstag aus. Fortschritte gab es bisher kaum. Europäische Diplomaten schieben das auch darauf, dass Trump das Dossier seinem Wirtschaftsminister Wilbur Ross anvertraut hat. Im Gegensatz zu dem vorerst ausgebooteten Handelsbeauftragten Robert Lighthizer verfüge der 80 Jahre alte Ross gar nicht über einen Stab, der sich im Dickicht internationaler Handelsregeln auskennte und in der Lage wäre, das große Rad zu drehen, das Trump vorschwebt.

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