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Jean-Claude Juncker : „Merkel hat Nobelpreis mehr verdient als Obama“

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Begrüßung unter Freunden: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Kanzlerin Angela Merkel Bild: dpa

Um 11 Uhr wird der Friedensnobelpreis verliehen. Angela Merkel ist nominiert, aber darüber unglücklich. Der Präsident der EU-Kommission hingegen kann sich den Preis für die Kanzlerin gut vorstellen.

          EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine würdige Trägerin des Friedensnobelpreises. „Sie hat den Friedensnobelpreis mehr verdient als Barack Obama“, sagte Juncker bei einem Podiumsgespräch der „Passauer Neuen Presse“. Der amerikanische Präsident hatte den Preis 2009 erhalten.

          In Oslo verkündet eine Jury an diesem Freitag um 11 Uhr den diesjährigen Friedensnobelpreisträger. Merkel gilt als aussichtsreiche Kandidatin. Obwohl ihr das selbst angeblich gar nicht recht ist. In der Talkshow „Anne Will“ sagte sie „die Diskussion bedrückt mich fast“.  Sie sei derzeit mit anderen Dingen beschäftigt.

          2014 hatten sich die erst 17 Jahre alte Malala Yousafzai aus Pakistan und der Inder Kailash Satyarthi den Preis für ihren Kampf für Kinderrechte geteilt. Damals hatte die Jury aus der Rekordzahl von 278 Kandidaten auswählen müssen. Dieses Jahr stehen zwei Namen weniger auf der Nominierungsliste. 227 Personen und 49 Organisationen sind laut dem norwegischen Nobelkommittee für den Preis vorgeschlagen.

          Spekulationen über Preis für Papst Franziskus

          Beobachtern zufolge könnte sich bei der Auszeichnung diesmal alles um die Flüchtlingssituation drehen. Außer Merkel kommt etwa der in der Schweiz lebende eritreische Priester Mussie Zerai für den Preis infrage. Er hilft seit Monaten Menschen, die auf dem Mittelmeer in Not geraten. Auch über einen Preis für das Flüchtlingshilfswerk UNHCR oder Papst Franziskus ist in den vergangenen Wochen spekuliert worden.

          Alternativ könnte der Einsatz für die Atom-Abrüstung belohnt werden – etwa mit einem Preis für die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) oder für den amerikanischen Außenminister John Kerry, mutmaßt Knut Magnus Berge vom norwegischen Fernsehsender NRK. „Es gibt viele spannende Kandidaten – wer gewinnt, ist nur schwer vorauszusagen“, sagte der Nobel-Experte am Donnerstagabend.

          Auf der Liste tauchen ferner Dauerkandidaten wie der kongolesische Arzt Denis Mukwege und der Whistleblower Edward Snowden auf. Aber auch Flemming Rose, der als Kulturredakteur der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ vor zehn Jahren die Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, zählt zu den Kandidaten.

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          Der Osloer Friedensforscher Kristian Berg Harpviken sieht derweil Chancen für die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ oder den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos. Der Friedensnobelpreis ist mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert und wird – anders als die anderen Nobelpreise – nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekanntgegeben. Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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