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MH17-Abschuss : „Wer hat denen denn das Überflugrecht gegeben?“

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

In Australien ist ein Video aufgetaucht, auf dem prorussische Separatisten an der Absturzstelle von MH17 hörbar überrascht sind, dass es sich um ein Passagierflugzeug handelt. Derweil wird der Opfer gedacht.

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          Zum Jahrestag des Abschusses des Passagierflugzeuges MH17 über dem ostukrainischen Kampfgebiet hat eine australische Zeitung eine bisher unbekannte Videoaufnahme veröffentlicht, die offenbar prorussische Separatisten an der Unfallstelle aufgenommen haben. Der gut zwei Minuten lange Film, der auf der Website des „Daily Telegraph“ zu sehen ist, zeigt die noch rauchenden Trümmer der Boeing, Gepäckstücke und Leichen der Opfer, die vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht wurden. Es sind Separatisten zu hören, die verwundert zur Kenntnis nehmen, dass es sich um ein Passagierflugzeug handelt.

          Einer der Männer teilt jemandem am Mobiltelefon mit, dass er sich an der Absturzstelle eines zivilen Flugzeugs befinde. Mehrfach ertönt die Aufforderung an die Männer, die Blackbox zu suchen. Im Hintergrund fragt ein hörbar aufgebrachter Mann: „Wer hat denen denn einen Korridor (das Überflugrecht) gegeben?“ Nach dem Absturz des Flugzeugs am 17. Juli 2014 war rasch vermutet worden, von Russland unterstützte separatistische Kämpfer könnten MH17 für ein ukrainisches Militärflugzeug gehalten und versehentlich abgeschossen haben. Moskau und die Separatisten bestreiten dies und beschuldigen die ukrainische Regierung des Abschusses.

          In der australischen Hauptstadt Canberra wurde eine Gedenkplakette für die 38 MH17-Opfer aus Australien enthüllt.

          Der damalige militärische Führer der „Volksrepublik Donezk“, der Russe Igor Girkin (Kampfname Strelkow) hatte in einem sozialen Netzwerk zwei Abschüsse gemeldet, diese Meldung aber wieder gelöscht, als das Ausmaß der Katastrophe bekannt wurde. Beim Absturz der Boeing auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur waren 298 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen stammten aus den Niederlanden, Malaysia und Australien.

          Die nun veröffentlichten Aufnahmen wurden nach Angaben des „Daily Telegraph“ erst in dieser Woche aus Donezk herausgebracht. Kurz nach dem Unglück waren Fotos veröffentlicht worden, die Separatisten zeigten, die sich am Gepäck der Opfer zu schaffen machten. In dem neuen Video öffnet ein Mann in Tarnkleidung den Rucksack eines Passagiers und nimmt einen Fotoapparat heraus.

          Australiens Premierminister Tony Abbott sagte, das Video zeige, dass es sich um eine Greueltat handele und „keinesfalls um einen Unfall“. Ein offizieller Abschlussbericht der von den Niederlanden geleiteten Ermittlungen zur Absturzursache steht noch aus. Der Sender CNN meldete unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Rechercheure gingen davon aus, dass Separatisten eine Buk-Rakete auf das Flugzeug abgefeuert haben. Bei einer Gedenkfeier an der Absturzstelle enthüllte am Freitag das Oberhaupt der separatistischen „Volksrepublik Donezk“ Alexander Sachartschenko einen Gedenkstein für die Opfer. Er sagte, er sei bereit, „jede nötige Hilfe bereitzustellen“, damit bewiesen werden könne, dass die „kriminelle ukrainische Führung die Verantwortung für diese Tragödie trägt“.

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          Der Opfer gedacht wurde auch in den Niederlanden und Australien. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der ebenso wie andere Politiker teilnahm, sagte dem Sender NOS, er denke „noch jeden Tag“ an die Katastrophe. In Australien enthüllte Premierminister Tony Abbott eine Gedenkplakette in Gegenwart von rund 120 Angehörigen der 38 australischen Opfer. Als die lächelnden Gesichter der Toten auf einer Leinwand eingeblendet wurden, kamen vielen Hinterbliebenen die Tränen. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko forderte in Kiew die Bestrafung der "Mörder". Es sei eine "moralische Pflicht" zu Ehren der Gestorbenen, den Schuldigen eine "faire Strafe" zuteil werden zu lassen, erklärte Poroschenko. Mit Blick auf Russland sagte er, der Abschuss wäre nicht geschehen „ohne die Beteiligung, ohne einen direkten Befehl von höchster politischer und militärischer Ebene im Nachbarstaat“.

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