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Attentäter Anders Breivik : „Kreuzzug gegen den Kulturmarxismus“

Das „Manifest” wurde unterzeichnet von „Andrew Berwick”, dies soll englische Version von Anders Breivik sein Bild: Reuters

Was der Attentäter Anders Breivik in einem 1500 Seiten langen Pamphlet im Internet veröffentlicht hat, spricht für eine Mixtur aus antimarxistischen und islamfeindlichen Vorstellungen, die sich mit Aggressionen gegen seine eigene Familie verbanden.

          Als „christlich-fundamentalistisch“ hat die norwegische Polizei Anders Breivik in einer ersten Stellungnahme beschrieben. Doch das Weltbild des 32 Jahre alten Norwegers, der sich sowohl der Urheberschaft für das Bombenattentat in der Innenstadt von Oslo als auch für das Massaker auf der Insel Utøya bezichtigt hat, lässt sich mit diesen beiden Attributen allein nicht erklären. Auch seine vorübergehende Mitgliedschaft in der rechtspopulistischen Fortschrittspartei, einer in Norwegen seit den neunziger Jahren etablierten politischen Kraft, ist nur ein schwacher Hinweis auf seine spätere Radikalisierung.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Was der unverheiratete, zuletzt alleine auf einem Bauernhof lebende Mann selbst vor den am Freitagnachmittag verübten Taten, die mindestens 93 Menschen das Leben gekostet haben, über sich veröffentlicht hat, spricht für eine Mixtur aus antimarxistischen und islamfeindlichen Vorstellungen, die sich mit Aggressionen gegen seine eigene Familie verbanden.

          Auf seinem Nutzerprofil im sozialen Netzwerk Facebook, das Anders Breivik nach Berichten norwegischer Medien erst am 17. Juli angelegt hat, bezeichnet er sich als Freimaurer, passionierten Jäger und Video-Spieler. Als seine Lieblingslektüre nennt er darin Bücher von Franz Kafka, Richard Rorty und John Stuart Mill. Aufschlussreicher ist ein mutmaßlich von ihm unter Pseudonym verfasstes Pamphlet mit mehr als 1500 Seiten, das Breivik kurz vor seinen Taten per E-Mail an eine Reihe von Adressaten aus dem rechten politischen Spektrum in Skandinavien verschickt hat.

          So präsentierte sich Anders Breivik in einem Video am Tag des Attentats

          Pamphlet gegen „Kulturmarxismus“

          Die in englischer Sprache abgefasste Schrift mit dem Titel „2083 - Eine europäische Unabhängigkeitserklärung“ unterstellt, dass die westliche Welt nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst unter die Vorherrschaft des „Kulturmarxismus“ geraten sei. Mit diesem im rechtsextremen Milieu häufig gebrauchten Sammelbegriff belegt der Verfasser sein ideologisches Feindbild einer multikulturellen Gesellschaft. Im zweiten Kapitel wendet sich der Text gegen die „Islamische Kolonisierung“ Europas.

          Im dritten und vierten Kapitel ist von „Hoffnung“ und „Neuanfang“ die Rede, die Anders Breivik offenbar mit der Ausführung seiner Bluttat verband. Sowohl das auf der Titelseite abgebildete rote Kreuz der Tempelritter als auch einige Formulierungen im Text charakterisieren sie als Teil eines Kreuzzugs.

          Tagebuch über die Vorbereitungen des Attentats

          Neben den gesellschaftskritischen, fremdenfeindlichen und antiislamischen Ausführungen enthält die Schrift auch eine in Tagebuchform geführte Passage über die Vorbereitung des Attentats, in der etwa über die Vor- und Nachteile eines Einzeltäters und über die Wirkung einer Verkleidung als Polizist spekuliert wird. Mit der Idee zu einem Anschlag hat sich Breivik demnach schon seit neun Jahren beschäftigt. In den vergangenen Monaten dominierte sie sein Leben offenbar komplett, während er sich mehr und mehr isolierte. Seinen Stiefvater beschimpft er in dem Pamphlet heftig. Seiner Mutter, mit der er sich bis zu seinem Umzug auf den Bauernhof eine Wohnung in Oslo teilte, wirft er vor, ihn mehrmals mit einem Grippevirus angesteckt und damit seine Vorbereitungen auf das Attentat empfindlich gestört zu haben. Außerdem gibt die Schrift Hinweise auf angebliche Finanzierungsquellen und Helfer in anderen europäischen Ländern, in Australien und Amerika.

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