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Analyse : Szenarien des Kalten Krieges

Drei Flugzeuge vom Typ EP-3 auf dem kanadischen Flughafen in Okinawa Bild: AP

Die Kollision eines amerikanischen und eines chinesischen Jets sorgt für diplomatische Verstimmungen - zumal Washington ohnehin einen härteren Kurs gegen Peking angedeutet hat.

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          Die ersten 100 Tage der Präsidentschaft George W. Bushs sind noch nicht abgelaufen. Die neue amerikanische Außenpolitik ist aber schon sichtbar. Das Verhältnis zum europäischen Kontinent ist durch die Aufkündigung des Klimaschutz-Abkommens von Kyoto belastet, die Beziehungen zu Russland und China erinnern gar an dunkle Zeiten des Kalten Krieges. Der Tonfall zwischen Peking und Washington wird im Zusammenhang mit der Kollision zweier Militärjets schärfer.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Da wirft das Weiße Haus Peking vor, die Kollision mit dem amerikanischen Flugzeug verursacht zu haben. China beschuldigt im Gegenzug die Vereinigten Staaten, den chinesischen Luftraum verletzt zu haben. Staatspräsident Jiang Zemin poltert, die USA trügen „die volle Verantwortung“. Die USA sollten ihre Spionageflüge künftig unterlassen, um solche Unfälle zu vermeiden.

          Strittiger „Unfallhergang“

          Der genaue „Unfallhergang“ ist nicht bekannt. Unumstritten ist lediglich, dass ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug nach einer Kollision mit einem chinesischen Kampfjet auf der Insel Hainan notlanden musste - ob sich die Kollision über chinesischem Luftraum ereignet hat, ist unklar. Strittig ist zudem der Umgang mit Flugzeug und Besatzung. Erst nach drei Tagen gab Peking das Signal, dass amerikanisches Botschaftspersonal Zugang zu Maschine und Crew erhält. Wann der Flieger freigegeben werde, stünde aber noch nicht fest. China habe zudem das Recht, das Flugzeug zu inspizieren.

          Das sieht der amerikanische Präsident anders. Bush hatte „unverzüglichen Zugang zur Besatzung und sichere Rückkehr der Crew“ gefordert. China verstoße gegen die „übliche diplomatische Praxis“. Als Drohgebärde schickte er drei Zerstörer in die Nähe der Insel. Derartige Szenarien gehörten eigentlich der Vergangenheit an. Warum diese Konfrontation?

          Sensible Technologie

          In dem konkreten Fall befürchten die USA, China könne sensibles Material im Aufklärungsflugzeug inspizieren. Die Spionage-Technologie könnte sowohl der eigenen Abwehr und Gegenspionage dienen als auch an andere Staaten, wie etwa Russland, verkauft werden. Die Angelegenheit wäre dann nicht nur peinlich für das Pentagon, sondern auch teuer.

          Hinter dem konkreten Konflikt steht aber ein sich unter der neuen amerikanischen Administration andeutender härterer Kurs gegen die Volksrepublik. Wurde Peking unter Bill Clinton noch als „strategischer Partner“ geführt, so änderte Bush nach dem Amtswechsel die Sprachregelung in „strategischer Konkurrent“. Dieser Kurs wurde ihm von den so genannten „Falken“ in der China-Politik unter den republikanischen Kongressmitgliedern nahegelegt. Die befürworten auch einen höchst umstrittenen Verkauf von Waffen an Taiwan.

          Wichtiger Handelspartner

          Die Meinungen von China-Experten über das künftige Verhältnis zwischen Peking und Washington gehen auseinander. Glauben die einen an eine langfristige Verschlechterung, so meinen andere, dass sich nach einiger Zeit der Tonfall wieder mildere. Schließlich hätte Amerika, wo die Konjunktur stark abkühlt, ein großes Interesse an guten Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten beträgt fast 75 Milliarden Dollar.

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