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Analyse : Friedenshoffnungen im „Afrikanischen Weltkrieg“

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Auch der Krieg im Kongo begann mit der Rebellion Kabilas gegen die Diktatur von Sese-Seko Mobutu. Mit Unterstützung von Hutu-Rebellen aus Ruanda und Burundi gelang es Kabila, Mobutu zu vertreiben. Doch kaum war Kabila Präsident, setzte er alle demokratischen Pläne seiner Rebellenzeit außer Kraft und wandelte sich selbst zum Alleinherrscher. Auch im Kongo führten Rivalitäten zwischen Kabila und ehemaligen Mitstreitern nach einigen Monaten zu ersten Kämpfen. Uganda und Ruanda unterstützen die Gegenspieler Kabilas und zerstörten gleichzeitig die Rückzugsräume für Rebellen gegen die eigenen Regierungen im Osten Kongos. Als die Gegner Kabilas kurz vor der Hauptstadt Kinshasa standen, griffen Truppen aus Zimbabwe, Namibia, Tschad und Angola auf Seiten Kabilas in die Kämpfe ein.

Internationalisierung des Kongo-Konflikts

Die Internationalisierung des Krieges macht es fast unmöglich, zu einem Frieden zu kommen. Die Verhandlungspositionen sind unklar; die Begehrlichkeiten, sich am Rohstoffreichtum Kongos zu beteiligen, groß. Gleichzeitig hat der Krieg viele beteiligte Staaten destabilisiert. Namibia, nach der Unabhängigkeit Musterbild demokratischer Entwicklung, steht kurz davor, zur Diktatur zu werden. Im Caprivi-Zipfel, einer Provinz im Norden des Landes, kämpfen Separatisten für die Unabhängigkeit.

Zimbabwe hat sich fast völlig von den Diamantenlieferungen aus dem Kongo abhängig gemacht. Internationale Finanzhilfen erhält das Land wegen des Krieges nicht mehr. Nun steht Zimbabwe kurz vor dem Bankrott. Gewonnen haben an dem Konflikt nur Uganda und Ruanda. Die beiden kleinen ostafrikanischen Länder haben sich als Regionalmächte etabliert.

Die Rolle der Vereinten Nationen

Verloren haben auch die Vereinten Nationen. Ihr Versuch, den Kongo in Verhandlung und mit der Entsendung einer Beobachterkommission zu befrieden, ist gescheitert. Auch Monate nachdem der UN-Sicherheitsrat sich positiv zu einem Blauhelmeinsatz im Kongo geäußert hat, hat sich noch kein Land gefunden, dass Truppen in die Krisenregion entsenden würde. Südafrika, das im Friedensprozess unter Nelson Mandela die Initiative ergriffen hatte, will zwar Soldaten schicken; doch nur, wenn sie nicht alleine auf weiter Flur stehen.

Blauhelme am Horn von Afrika

So könnte der Friedenschluss in Algier doch noch ein positives Signal für den „verlorenen Kontinent“ werden. Erstmals seit vielen Jahren haben sich europäische Länder bereit erklärt, Friedenstruppen an die Grenze zwischen Eritrea und Äthiopien zu schicken. 4200 UN-Soldaten unter anderem aus Dänemark und den Niederlanden sollen eine 25 Kilometer breite Pufferzone kontrollieren, in der UN-Mitarbeiter die umstrittene 1000 Kilometer lange Grenze festlegen.

Der Frieden am Horn von Afrika wird ein kalter sein. Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi sagte, eine „Normalisierung der Beziehungen und gute Nachbarschaft“ mit Eritrea sei für ihn unvorstellbar. Aber mit dem Friedensschluss ist der Krieg als Mittel der Politik aus einem Teil Afrikas gewichen. Für die große Zahl der demokratischen Oppositionellen in den Kriegsländern Afrikas könnte das Beispiel ein Ansporn sein. Für einen grundlegenden Wandel brauchen sie jedoch die Unterstützung von außen. Sonst werden sie sich gegen die egoistischen Interessen der selbstherrlichen Kriegsherren nicht durchsetzen können.

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