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Analyse : Afrikanisches Desaster

  • -Aktualisiert am

Scharfe Kritik haben Fachleute an den Friedenseinsätzen der Vereinten Nationen geübt.

          2 Min.

          Katastrophen treffen immer Schwarzafrika. 60.000 Menschen starben in den vergangenen zwölf Monaten in den Ländern südlich der Sahara in Kriegen und Bürgerkriegen. Mehr als zwanzig Prozent der Menschen hungern.

          Ob Welthungerbilanz oder Rüstungsbericht: Die Meldungen sind beklemmend. Das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) in London schreibt in seinem Zwölf-Monats-Bericht, 60 Prozent aller Kriegstoten seien in Afrika gestorben. Drei Viertel aller Länder südlich der Sahara waren in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Obwohl mehr als 20.000 UN-Blauhelme in diesen Ländern im Einsatz sind, ist ein Ende des Schreckens nicht abzusehen.

          Die Kritik der IISS-Fachleute sollte die Vereinten Nationen ins Mark treffen, denn die Uno beschloss anspruchsvolle Aufgaben und setzte dann unzureichend unterstützte Streitkräfte ein. Ein langfristiges Ziel des Blauhelmeinsatzes in Sierra Leone sei nicht zu erkennen, werfen die IISS-Fachleute den Vereinten Nationen vor. "Höchst zweifelhaft" sei es, ob die Vereinten Nationen zur Lage im Kongo einen "sinnvollen Beitrag" leisten könnten. Und immer noch tobt dort der "erste afrikanische Weltkrieg".

          Gier nach Öl und Diamanten

          Die Gründe der afrikanischen Krise wiederholen Fachleute seit Jahren gebetsmühlenartig: Machtkämpfe diktatorischer Regime, die sich auf Kosten ihrer Untertanen bereichern; die Gier nach Bodenschätzen, vor allem Diamanten, Öl und Gold; die unzureichende wirtschaftliche Unterstützung der afrikanischen Staaten durch die Industrieländer.

          Für die westliche Welt wird Afrika immer undurchschaubarer - und auch immer uninteressanter. Bodenschätze sind in anderen Weltregionen leichter zugänglich. Die Wirtschaftskraft des Kontinents tendiert gegen Null.

          Kein Paradies der Rüstungsindustrie

          Selbst für die Rüstungsindustrie ist Afrika kein Paradies. Denn obwohl der Import-Anteil der schwarzafrikanischen Länder am Rüstungs-Weltmarkt von 1,8 auf über drei Prozent gestiegen ist, lohnt sich das Geschäft mit dem Leiden kaum. Afrikanische Soldaten kämpfen weitgehend mit leichten Waffen, die man auch schon im jugendlichen Alter gut tragen kann. Wer also Flugzeuge und Panzer verkaufen will, muss sich an die reichen Länder wenden. Zum Beispiel die Ölproduzenten im Nahen Osten, die im vergangenen Jahr zu den Spitzeneinkäufern von Militärtechnik zählten.

          Das Leiden der Menschen geht unterdessen weiter. Der einzige Weg aus dem Elend wären halbwegs stabile politische Verhältnisse - am besten demokratisch verankert. Mosambik hat so 25 Jahre Bürgerkrieg überwunden und war vor den verheerenden Überschwemmungen im Frühjahr sogar ein kleiner Wachstumsfaktor.

          Blauhelme drohen mit Gewalt

          Doch alleine werden sich die Menschen Afrikas nicht gegen Despoten und Kriegsgewinnler durchsetzen können. Im UN-Hauptquartier in New York hat man das endlich begriffen. Die Blauhelme in Sierra Leone sollen bald schon auf Seiten der Regierungsarmee die Ordnung im Lande wiederherstellen, wenn nötig mit Gewalt.

          Doch das wird nur gelingen, wenn die westlichen Länder sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Soldatentrainer für einheimische Truppen und Botschaftswachen reichen nicht aus, um Afrika in die Welt zurückzuholen.

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