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Biden wählt Botschafterin : Eine Professorin soll Amerika in Berlin repräsentieren

  • -Aktualisiert am

Amy Gutmann mit dem damaligen Vizepräsidenten Biden im Januar 2016 an der Universität von Pennsylvania Bild: action press

Lange wurde spekuliert, Amy Gutmann könnte in die amerikanische Regierung wechseln. Nun soll die Professorin diese in Berlin vertreten. Sie kennt Präsident Joe Biden schon lange und hat deutsche Wurzeln.

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          Erstmals sollen die Vereinigten Staaten durch eine Botschafterin in Berlin vertreten werden. Präsident Joe Biden will die bekannte Politikwissenschaftlerin Amy Gutmann in die deutsche Hauptstadt entsenden. Die Zeitschrift Der Spiegel hatte zuerst über die Personalie berichtet, die in Washington offiziell noch nicht bestätigt wird. Jedoch hatte die Regierung schon Mitte Juni ein Ersuchen auf Zustimmung zu der Nominierung bei der Deutschen Botschaft in Washington eingereicht.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Das sogenannte Agrément wird noch im Bundespräsidialamt in Berlin geprüft. Es ist üblich, eine solche Zustimmung diskret einzuholen, bevor eine Personalie öffentlich wird. So hat eine ausländische Regierung theoretisch die Möglichkeit, eine Personalie ebenso diskret abzulehnen, ohne dass es zum Eklat kommt. Im Falle Gutmanns gilt die Zustimmung als Formsache. Die 71 Jahre alte Frau, die Biden seit vielen Jahren kennt, muss freilich noch vom Senat bestätigt werden.

          Hat schon für Obama gearbeitet

          Gutmanns Nominierung wird nach der Trump-Ära, in der Deutschland im Fadenkreuz Washingtons stand und in Berlin durch Richard Grenell vertreten wurde, der als Lautsprecher des Präsidenten agierte, an der Spree gewiss mit Erleichterung aufgenommen. Gutmann wurde 1949 in Brooklyn in eine Familie mit deutsch-jüdischen Wurzeln geboren und wuchs im Südosten des Bundesstaates New York auf. Ihr Vater, der orthodox erzogen wurde, stammte aus Feuchtwangen und lebte später in Nürnberg. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verließ er 1934 Deutschland. Da ihm zunächst ein Visum für die Vereinigten Staaten verweigert wurde, ging er nach Indien. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg zog er nach Amerika.

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          Tochter Amy studierte Politikwissenschaft in Harvard und an der London School of Economics. Promoviert wurde sie wiederum in Harvard. Fast 30 Jahre lang lehrte sie Politische Theorie in Princeton. Ihre Schwerpunkte waren Fragen der politischen Bildung und des Multikulturalismus. Zudem veröffentlichte sie eine Theorie des demokratischen Diskurses.

          Gutmann ist seit 2004 Präsidentin der Universität Pennsylvania, einer Ivy-League-Hochschule, zu der Biden enge Beziehungen unterhält. Nach dessen Wahl im November vergangenen Jahres wurde schnell spekuliert, die Professorin könne in die Administration wechseln. Biden lehrte nach seiner Zeit als Vizepräsident an der Hochschule. Auch wurde ein „Penn Biden Center“ eingerichtet, ein Programm, an dem Diplomatie gelehrt wird. Schon 2016, als mit einem Wahlsieg Hillary Clintons gerechnet wurde, fiel Gutmanns Name. Sie war Vorsitzende der Bioethik-Kommission unter Barack Obama und wurde 2018 von der Zeitschrift Fortune zu den 50 bedeutendsten Führungspersönlichkeiten der Welt gezählt.

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