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: Amokläufer war wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung

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rso. WAIBLINGEN, 12. März. Der Amoktäter von Winnenden litt unter Depressionen, war in psychiatrischer Behandlung, hat seine Tat aber offenbar nicht im Internet-Chat angekündigt. Das haben Ermittlungen der baden-württembergischen ...

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          rso. WAIBLINGEN, 12. März. Der Amoktäter von Winnenden litt unter Depressionen, war in psychiatrischer Behandlung, hat seine Tat aber offenbar nicht im Internet-Chat angekündigt. Das haben Ermittlungen der baden-württembergischen Polizei und des Bundeskriminalamts ergeben, die Innenminister Heribert Rech (CDU) und Landespolizeipräsident Erwin Hetger am Donnerstag in Waiblingen vorstellten. "Es hat sich um ein sehr dynamisches und sehr komplexes Tatgeschehen gehandelt", sagte Rech. "Trittbrettfahrer" drohten unter anderem in Freiburg, Ulm, Pforzheim, im Raum Stuttgart, in Metzingen, Esslingen und Schramberg mit ähnlichen Taten.

          Ursprünglich ging die Polizei davon aus, dass der Amokläufer Tim K. in der Nacht zum Mittwoch im Chatroom "krautchan.net" geschrieben hatte: "Ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und so mal richtig gepflegt grillen." Von diesem Eintrag berichtete ein 17 Jahre alter Jugendlicher seinem Vater nach der Tat. Der Betreiber der amerikanischen Internetseite bezeichnete den Text aber als "Fälschung". Polizeiliche Untersuchungen von Tim K.s Computer scheinen dies zu bestätigen: Es konnte kein entsprechendes Chatprotokoll gefunden werden. Ein Sprecher der Polizei Waiblingen teilte mit, dass man die beiden Zeugen, die den Chateintrag gesehen haben wollen, noch in der Nacht abermals vernehmen werde. Die Echtheit des Beitrags indes wurde am Abend auch von der Polizei schon stark angezweifelt. Die beiden angeblichen Zeugen kannten nach Angaben des Polizeisprechers weder K., noch standen sie offenbar in Kontakt mit ihm.

          Der Vater des 17 Jahre alten Auszubildenden Tim K., der am Mittwoch in der Albertville-Realschule in Winnenden neun Schüler, drei Lehrer und auf der Flucht drei weitere Personen erschossen hatte, soll im Besitz von 15 Waffen und 4600 Schuss Munition gewesen sein. "Die Waffen sind in zwei Waffenschränken aufbewahrt worden und waren mit Zahlenschlössern gesichert, möglicherweise gelangte der Täter in Besitz der Zahlenkombination", sagte Rech.

          Ob es ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Tim K.s Vater geben wird, hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft noch nicht entschieden.

          Das sei möglich, wenn es vor der Tat Hinweise auf einen Amoklauf gegeben habe. Die Polizei gab auch Informationen zur Biographie des Täters bekannt: Demnach befand sich Tim K. in einer Klinik in der Nähe von Heilbronn in psychiatrischer Behandlung. Nach Aussagen der Polizei geht Tim K.s Behandlung aus einer Meldung an das Kreiswehrersatzamt hervor. Im Jahr 2009 hat Tim K. die Therapie allerdings nicht fortgesetzt. K. hat nach Angaben der Polizei auch Gewaltcomputerspiele gespielt. Im Haus seiner Eltern fand die Polizei auch einige wenige Horrorfilme. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er ein geringes Selbstwertgefühl gehabt haben, es soll ihm auch an Anerkennung durch andere Schüler gefehlt haben; eine Freundin soll der 17 Jahre alte Täter nur kurzfristig gehabt haben.

          In der Realschule in Winnenden und auf seiner Flucht soll er mehr als 120 Schüsse abgegeben haben. Am Ende seiner Flucht in Wendlingen bei Ulm hat er sich nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen durch einen Schuss selbst getötet. Die Leiche muss noch obduziert werden, auf eine Obduktion der Opfer will die Staatsanwaltschaft verzichten. Zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs soll es eine zentrale Trauerfeier des Landes Baden-Württemberg in Winnenden am 21. März geben, an der Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Oettinger sowie Bundespräsident Köhler teilnehmen werden. Aus Sicherheitsgründen stehen die Schulen wegen der Amokdrohungen weiter unter Polizeischutz. Kultusminister Rau (CDU) kündigte an, an der Albertville-Schule in Winnenden die Zahl der Lehrer um die Hälfte zu erhöhen. Für die Abschlussprüfungen werde es individuelle Regelungen geben.

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