https://www.faz.net/-gpf-7nrm8

Amnesty-Bericht : Zahl der Hinrichtungen deutlich gestiegen

  • Aktualisiert am

Huntsville, Texas Bild: AP

Der Bericht von Amnesty International ist erschreckend: Die Zahl der Hinrichtungen ist 2013 gestiegen, vor allem in Iran und Irak sprechen die Autoren von einer „Tötungsorgie“. Spitzenreiter bleibt jedoch ein alter Bekannter.

          Die Zahl der Hinrichtungen hat sich 2013 laut dem jährlichen Bericht von Amnesty International deutlich erhöht. Vor allem infolge einer starken Zunahme im Iran und im Irak sei die Zahl offiziell bekannter Exekutionen im vergangenen Jahr auf mindestens 778 gestiegen, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Donnerstag. Allerdings bleibe China mit Abstand das Land mit den meisten Hinrichtungen. Schätzungen zufolge seien dort mehrere tausend Menschen exekutiert worden. Offizielle Angaben zu Hinrichtungen macht die Regierung in Peking nicht.

          Die chinesische Regierung würde „die Zahlen zu Todesurteilen und Hinrichtungen als Staatsgeheimnis“ behandeln, beklagte Amnesty. Die Amnesty-Vertreterin Audrey Gaughran sagte, China gebe an, seit 2007 den Gebrauch der Todesstrafe reduziert zu haben. Wenn dies so sei, sollte die Regierung Beweise vorlegen und die Zahlen veröffentlichen. Bis auf weiteres führt China die Liste der Staaten mit den meisten Hinrichtungen an gefolgt vom Iran, dem Irak, Saudi-Arabien und Amerika.

          Laut Amnesty stieg die Zahl der bekannten Exekutionen von mindestens 682 im Jahr 2012 auf mindestens 778 im vergangenen Jahr. Dies gehe vor allem auf den Anstieg im Iran und im Irak zurück. In der Islamischen Republik wurden demnach 369 Menschen hingerichtet, gegenüber 314 im Jahr 2012. Allerdings gebe es glaubwürdige Hinweise, dass mindestens 335 weitere Menschen exekutiert wurden, erklärte Amnesty. Im Irak wurden offiziell 169 Menschen hingerichtet - 2011 waren es 40 gewesen.

          Amnesty spricht von „Tötungsorgie“

          Der Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty sagte, im Iran und Irak gebe es „geradezu eine Tötungsorgie“, die „beschämend“ sei. Insgesamt wurden Menschen in 22 Ländern hingerichtet, wobei Indonesien, Kuwait, Nigeria und Vietnam die Vollstreckung der Todesstrafe wieder aufnahmen. Laut Shetty geht der Trend aber zur Abschaffung der Todesstrafe. „Die Staaten, die sich an die Todesstrafe klammern, sind auf der falschen Seite der Geschichte und werden mehr und mehr isoliert“, sage Shetty.

          Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, bezeichnete die Zahlen von Amnesty als „alarmierend“. Vor allem die Zahlen aus dem Irak und Iran seien „höchst besorgniserregend“. „Die Todesstrafe ist unmenschlich und rechtspolitisch unsinnig. Sie hat im 21. Jahrhundert keinen Platz!“, betonte Strässer. Er wies darauf hin, dass die Bundesregierung die Todesstrafe „unter allen Umständen“ ablehne und sich mit ihren Partnern in der EU für ihre weltweite Abschaffung einsetze.

          Weitere Themen

          Was dürfen Wölfe fressen?

          Artgerechtigkeit : Was dürfen Wölfe fressen?

          Schafe und Wölfe sollen jetzt gleichermaßen durch Zäune geschützt werden. Doch das wird den Streit über die fleischfressenden Einwanderer wohl auch nicht beenden. Über die Lebenserwartung von Wölfen kann ein Kuchen entscheiden.

          EU will bis 2050 klimaneutral werden Video-Seite öffnen

          Gipfeltreffen in Brüssel : EU will bis 2050 klimaneutral werden

          Im Kampf gegen den Klimawandel will sich der EU-Gipfel auf das Ziel festlegen, bis zum Jahr 2050 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Im letzten Entwurf für das Treffen der Staats- und Regierungschefs ist der Termin erstmals genannt.

          Topmeldungen

          Nicht zu stoppen: Boris Johnson

          May-Nachfolge : Johnson auch in vierter Auswahlrunde klar vorn

          Boris Johnson hat auch die vorletzte Auswahlrunde bei den britischen Konservativen gewonnen. Innenminister Sajid Javid schied aus. Noch heute folgt die letzte Abstimmung bei den Tory-Abgeordneten.
          Europäisches Tandem: Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian (links) und sein deutscher Amtskollege Heiko Maas am Mittwoch in Paris

          Plan wider die Lähmung : So wollen Maas und Le Drian Europa stärken

          Das deutsch-französische Tandem stockt. Die Außenministerien in Berlin und Paris haben hinter den Kulissen ein Programm entwickelt, wie es künftig besser laufen kann – und Europa handlungsfähiger werden soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.