https://www.faz.net/-gpf-pkpm

Präsidentenwahl Amerika : Der Sieger bekommt alles - das amerikanische Wahlsystem

  • Aktualisiert am

Bush oder Kerry? Dem Wahlsystem fehlt es an Proportionalität Bild: AP

Das amerikanische Wahlsystem stammt aus dem 18. Jahrhundert. Während viele Wissenschaftler es für völlig antiquiert bezeichnen, halten die Amerikaner unbeirrt daran fest.

          1 Min.

          Das System zur Wahl des amerikanischen Präsidenten stammt aus dem 18. Jahrhundert, und während Experten für internationales Wahlrecht es als völlig antiquiert bezeichnen, halten die Amerikaner unbeirrt daran fest.

          Der Kernpunkt: Der Präsident wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern von einem Gremium von Wahlmännern. Wer mindestens 270 Stimmen auf sich vereint, ist der Sieger.

          Präsident auch ohne Mehrheit der Stimmen

          Das System macht es wie vor vier Jahren im Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore möglich, daß ein Politiker ins Weiße Haus einzieht, der nicht die Mehrheit der Stimmen des Volkes (popular vote) auf sich vereinigt hat.

          „Electoral College“ wird das 538köpfige Wahlmännergremium in den Vereinigten Staaten genannt. Jeder einzelne Bundesstaat ist darin vertreten - wie stark, das orientiert sich an seiner Präsenz in den beiden Kammern des amerikanischen Kongresses.

          „The winner takes it all“

          Das Minimum liegt bei drei (zum Beispiel Alaska). Die meisten Wahlmänner hat zur Zeit Kalifornien mit 55, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Auf welche Weise die Mitglieder des „Electoral College“ bestimmt werden, ist von Staat zu Staat verschieden.

          Bis auf wenige Ausnahmen gilt das Prinzip „the winner takes it all“ - der Sieger bekommt alles. Das heißt: Die Wahlmänner-Stimmen des jeweiligen Staates werden komplett jenem Kandidaten zugeordnet, der im Staat die meisten Wählerstimmen erhalten hat.

          Proportionale Stimmenvergabe kann entscheiden

          So heimste Bush im Jahr 2000 alle damals 25 Stimmen Floridas im „Electoral College“ ein, obwohl er in dem Staat nach amtlichem Ergebnis nur über 537 Wählerstimmen mehr als Gore verfügte. Wären die Wahlmänner-Stimmen proportional verteilt worden, hätten Bush 13 und Gore 12 zugestanden. Gore wäre Präsident geworden.

          Nur zwei Staaten - Maine und Nebraska - verteilen ihre Wahlmänner-Stimmen nach einem proportionalen Schlüssel. In diesem Jahr könnte Colorado hinzukommen: Hier wird in einem Volksentscheid am 2. November, dem Tag der Präsidentschaftswahl, über eine Aufsplittung der Wahlmänner-Stimmen im Verhältnis zum direkten Wählervotum abgestimmt. Wird die Initiative gebilligt, dann würde das neue System in Colorado schon bei diesem Rennen ums Weiße Haus angewendet - mit möglicherweise wahlentscheidender Bedeutung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Er gibt weiter die Richtung vor: Markus Söder am Donnerstag mit Melanie Huml.

          Test-Panne in Bayern : Söders Grenzen

          Der CSU-Ministerpräsident schüttelt sich kurz. Dann ist Bayern wieder spitze. War etwas? Zum ersten Mal in seiner Amtszeit könnte Markus Söder Bayern als Heimat tatsächlich groß genug sein.
          „Das Eis ist gebrochen“: Trump erhält im Weißen Haus Applaus von Mitarbeitern zu dem Abkommen.

          Israel und Arabische Emirate : Es geht um eine Allianz gegen Iran

          Ein doppelter Gewinn für Netanjahu: Israel nimmt diplomatische Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten auf und setzt dafür eine Annexion aus, die ohnehin heikel war. Doch auch andere profitieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.