https://www.faz.net/-gpf-7h5q0

Amerika und Syrien : Helfer in der Not

Ausgerechnet John McCain soll nun für Obama die Zustimmung des Kongresses holen. Die Glaubwürdigkeit Amerikas und die Reputation des Präsidenten stehen bei der Abstimmung auf dem Spiel.

          Welche Ironie! Ausgerechnet sein früherer Rivale um das Weiße Haus, John McCain, soll jetzt für Barack Obama die Kastanien aus dem Feuer des Kongresses holen. Dort stehen nach wie vor viele Senatoren und vor allem viele Abgeordnete einem Militärschlag gegen das Regime in Syrien skeptisch bis ablehnend gegenüber, insbesondere in Obamas eigener Demokratischen Partei.

          Die werden sich nicht unbedingt sofort von der Haltung McCains beeindrucken lassen, zumal der schon lange ein robustes Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen Syrien fordert und dem Präsidenten ein schwächliches Zaudern vorwirft. Aber McCain besitzt noch immer hinreichend Autorität, um wenigstens hinreichend viele Republikaner davon zu überzeugen, dem Präsidenten nicht die Gefolgschaft zu verweigern.

          Die Glaubwürdigkeit Amerikas steht auf dem Spiel

          Und in einem Punkt hat McCain fraglos recht: Würde der Kongress die Zustimmung nicht geben, wäre das verheerend. Es würde die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten beschädigen und die Reputation des Präsidenten dramatisch in Mitleidenschaft ziehen – von wegen Führungsfähigkeit! Für seine Dienste wird McCain einen Preis verlangen, zumindest wird der Präsident ihm etwas anbieten müssen.

          Weil Obama nun auf eine ausdrückliche Bewilligung eines militärischen Vorgehens als Reaktion auf den syrischen Giftgaseinsatz durch Senat und Repräsentantenhaus setzt und dabei rhetorisch historische Vergleiche zieht, wird die Syrien-Episode überdies Folgen für das Verhältnis des Weißen Hauses zum Kongress und zur republikanischen Opposition haben – haben müssen. Der Präsident hat immer wieder seine Verachtung für den Kongress im Allgemeinen und für die Republikaner im Besonderen zum Ausdruck gebracht; Letzteren gibt er die Schuld an der Polarisierung in der amerikanischen Politik. Wenn die Republikaner ihm nun aus der Bredouille helfen, in die sich Obama selbst hineinmanövriert hat, wird er das so, auch auf anderen Politikfeldern, nicht fortsetzen können.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Torwartwechsel: Manuel Neuer (l.) verteidigt seine Position gegenüber Marc-Andre ter Stegen

          Ter Stegen gegen Neuer : Zeit für einen Torwartwechsel?

          Keine Position im Fußball wird so gerne diskutiert wie die zwischen den Pfosten. Nur wenige Torhüter haben den Nummer-1-Status in der Nationalmannschaft konservieren können – und es ins kollektive Gedächtnis geschafft.
          Michael Jürgs starb im Juli mit 74 Jahren

          Michael Jürgs’ letztes Buch : Wer tot ist, muss sehen, wo er bleibt

          Eine Seele wirft keinen Schatten: Der Journalist Michael Jürgs hat zwei Wochen vor seinem Ableben sein letztes Buch beendet. In „Post mortem“ surft er durchs Jenseits und trifft dort höchst lebendige Tote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.