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Amerika gegen Iran : Diesem Konflikt ist kein Virus gewachsen

Reste einer Uniform inmitten von Trümmern nach amerikanischen Luftangriffen in der irakischen Provinz Babylon, die die „Kataib Hizbullah“ kontrolliert. Bild: AFP

Die Spannungen zwischen Washington und Teheran nehmen ungeachtet der weltweiten Corona-Pandemie weiter zu. Im Zentrum steht dabei derzeit der Irak. Die Botschaft aus dem Weißen Haus aber geht darüber hinaus: Amerika bleibt handlungsfähig.

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          Die Warnung kam scheinbar aus heiterem Himmel: Iran oder seine Stellvertreter planten einen Überraschungsangriff auf amerikanische Soldaten und/oder Einrichtungen im Irak. Falls es dazu komme, werde Teheran „fürwahr einen hohen Preis zahlen“, schrieb Donald Trump am Mittwoch auf Twitter. Später deutete er an, eine amerikanische Erwiderung könnte Iran selbst treffen. Sie werde „in der Nahrungskette nach oben“ rücken, sagte er.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Drohung des amerikanischen Präsidenten machte deutlich: Die Spannungen zwischen Amerika und Iran nehmen ungeachtet der Coronavirus-Krise zu. Trumps Botschaft muss darüber hinaus aber auch als Signal an all diejenigen gedeutet werden, die glauben, die durch die Pandemie hart getroffenen Vereinigten Staaten seien nur noch mit sich selbst befasst. Täuscht euch nicht, soll der Tweet klarstellen. Genauso äußerte sich Robert O‘ Brien, der Nationale Sicherheitsberater, am Mittwoch im Weißen Haus: Amerika sei trotz der Coronavirus-Krise bereit, seine Interessen zu verteidigen.

          Im Zentrum der Konfrontation mit Iran steht derzeit der Irak, der schon seit dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 einer ihrer Schauplätze ist. Im Januar hatte diese sich dramatisch zugespitzt, als der iranische General Qassem Soleimani durch einen amerikanischen Drohnenangriff getötet wurde. Er war der Strippenzieher in einem die ganze Region umfassenden Schattenreich der iranischen Revolutionswächter, zu dem nicht zuletzt schiitische Milizen im Irak zählen. Sie betreiben, wie andere proiranische Kräfte, den Abzug der amerikanischen Truppen, die im Zuge des Krieges gegen den „Islamischen Staat“ (IS) in den Irak verlegt worden waren. Das Parlament hatte schon im Zuge der Januar-Krise die Regierung aufgefordert, diesen voranzubringen.

          Pompeo und O'Brien sollen für Eskalation sein

          Inzwischen ist das amerikanische Militär in einem Kreislauf wechselseitiger Angriffe und Vergeltungsschläge gefangen. Raketen schlagen immer wieder auf Stützpunkten ein, auf denen amerikanische Soldaten stationiert sind. Waffenlager oder Stützpunkte irantreuer Milizen werden daraufhin aus der Luft bombardiert. Immer wieder fällt dabei der Name einer ein kampfstarken, dem iranischen Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei treu ergebenen Miliz: der „Kataib Hizbullah“.

          Vergangene Woche berichtete die „New York Times“,  das Verteidigungsministerium habe angeordnet, einen Plan zu erarbeiten, die Miliz auszuschalten. Dem Bericht zufolge sind vor allem Außenminister Mike Pompeo und O‘Brien für eine Eskalation, während Verteidigungsminister Mark Esper und Mark Milley, der Vorsitzende der Vereinigten Stabchefs, davor warnen, dass eine solche Operation die Lage im Mittleren Osten weiter destabilisieren könnte.

          General Robert White, der Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte im Irak, soll zudem gewarnt haben, ein solcher Einsatz würde eine Verlegung von Tausenden Soldaten verlangen. Derzeit ist das amerikanische Militär dabei, die eigene Präsenz auf zwei Standorte zu konzentrieren: Bagdad und die Luftwaffenbasis Ain al Asad in der westlichen Provinz Anbar. Im Pentagon ist Trumps Abneigung gegen neuerliche Truppenentsendungen Teil des Kalküls. Pompeo hingegen und sein Verbündeter O’Brien wollen offenbar trotz oder gar wegen der Coronavirus-Krise, die auch Iran schwer getroffen hat, ihre Kampagne des maximalen Drucks gegen das Regime in Teheran fortsetzen.

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