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Amerika : Endkampf um Afghanistan

Obama konnte grundsätzlich nicht anders entscheiden Bild: ddp

Obama hat erkannt, dass dieser geerbte Krieg zu einem Debakel für Amerika und auch ihn selbst wird, wenn er ihn weiter so führt wie bisher. Vor die Alternative gestellt, aus Afghanistan abzuziehen oder den Einsatz zu erhöhen, entschied sich der Präsident für Letzteres.

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          Für Amerika hat das „endgame“ um Afghanistan begonnen: Mit der Entsendung von weiteren dreißigtausend Soldaten will Präsident Obama in einer anderthalb Jahre dauernden Schlacht die Entscheidung erzwingen. Mit dieser politischen, militärischen und finanziellen Kraftanstrengung sollen die Aufständischen zurückgedrängt und für die in der Zwischenzeit aufzubauenden afghanischen Streitkräfte beherrschbar gemacht werden.

          Obama hat erkannt, dass dieser geerbte Krieg zu einem Debakel für Amerika und auch ihn selbst wird, wenn er ihn weiter so führt wie bisher. Vor die Alternative gestellt, aus Afghanistan abzuziehen oder den Einsatz zu erhöhen, entschied sich der Präsident für Letzteres – auch weil er mit der Verstärkung die Perspektive des Abzugs verknüpfen konnte, auf den das amerikanische Volk so dringt wie Europa.

          Deutschland aber sorgt sich um die Einkaufszeiten

          Die europäischen Regierungen aber wollen, von Einzelfällen abgesehen, erst nach der Afghanistan-Konferenz Ende Januar beschließen, ob sie es Obama gleichtun oder nur auf seinem Trittbrett mitfahren. Vorher sei eine Debatte über eine deutsche Beteiligung weder sinnvoll noch angebracht, sagt Außenminister Westerwelle. Es ist zu hoffen, dass die Bundesregierung auch mit dem Nachdenken über ihre Afghanistan-Strategie nicht erst in London beginnen will.

          Vereinigte Staaten : Obama: Erhebliche Truppenverstärkung

          Man weiß schon lange, dass Obama nicht grundsätzlich anders entscheiden konnte. Es wäre in der Sache falsch und ein schwerer Schlag für das atlantische Bündnis, Amerika im Endkampf um Afghanistan und Pakistan alleine zu lassen. Das mit dem Geschehen am Hindukusch eng verknüpfte Schicksal der benachbarten Atommacht muss den Westen mindestens so umtreiben wie die Frage, ob es auch in Zukunft noch Mädchenschulen in Kabul gibt.

          Die deutsche Politik aber scheint schon vollkommen damit ausgelastet zu sein, das bestehende Schutztruppen-Mandat zu verlängern und einen angeblichen Vertuschungsskandal parteipolitisch auszuschlachten. Natürlich ist lückenlos aufzuklären, was in Kundus geschah und wer darüber wann was wusste, übrigens auch im Auswärtigen Amt. Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, danach sei alles (wieder) gut. Amerika schickt seine dreißigtausend Mann nicht zum Regeln des Verkehrs nach Afghanistan. Auch die Aufständischen dort dürften schon ahnen, was auf sie zukommt. Deutschlands derzeit größte Sorge aber scheint zu sein, wann man noch einkaufen soll, wenn nicht am Sonntag.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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