https://www.faz.net/-gpf-3pag

Allensbach-Umfrage : Führungskräfte setzen auf Stoiber

  • Aktualisiert am

Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung erwarten laut einer Allensbach-Studie mehrheitlich einen Wahlsieg von Unionskanzlerkandidat Stoiber.

          2 Min.

          Mehr als zwei Drittel der Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung rechnen nach einer Umfrage mit einem Sieg des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU) bei der Bundestagswahl im September.

          68 Prozent der befragten 572 Entscheidungsträger gingen davon aus, dass Stoiber der nächste Bundeskanzler werde, sagte die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, bei der Vorstellung einer von der Zeitschrift „Capital“ in Auftrag gegebenen Umfrage am Mittwoch in Berlin. Nur 26 Prozent glaubten dagegen an einen Wahlsieg des amtierenden Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD). Köcher wies allerdings darauf hin, dass die befragte Gruppe traditionell von Wählern der Union dominiert werde.

          An der Mitte Juni bis Anfang Juli erhobenen Umfrage hätten rund 400 Manager, 100 Politiker und 100 Spitzenbeamte teilgenommen. In der Bevölkerung sei das Bild nach der jüngsten Allensbach-Umfrage hingegen ausgeglichen. Jeweils 36 Prozent der Befragten hätten demnach entweder Schröder oder Stoiber als wahrscheinlichen Gewinner der Wahl ausgemacht, sagte Köcher.

          Schlechte Wirtschaftslage begünstigt Union

          Ein Grund für den von den Führungskräften erwarteten Wahlsieg der Union sei die schlechte Wirtschaftslage, sagte Köcher. „Wenn die Wirtschaftdaten nicht positiv gesehen werden, schlägt das durch auf die Politik.“ So gingen unter den befragten Managern 28 Prozent von einer weiteren Abwärtsbewegung der Konjunktur aus, 37 Prozent rechneten mit einem gleich bleibenden Verlauf. Nur 35 Prozent gingen von einem Anziehen der Wirtschaft aus.

          Daraus erkläre sich auch die große Unzufriedenheit der Führungskräfte mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. 81 Prozent kritisierten die bisherigen Leistungen der Regierung Schröder auf diesem Gebiet. Lediglich 17 Prozent zeigten sich zufrieden. Insgesamt bewerteten 80 Prozent die Regierung als zu schwach. Dies sei ein ähnlich hoher Wert wie im letzten Amtsjahr der Regierung von Helmut Kohl (CDU) 1998.

          Reformthema Arbeitsmarkt

          „Es sieht alles danach aus, dass wir wieder eine Abwahl einer Bundesregierung erleben werden", sagte Köcher. Im Moment herrsche ein Klima, in dem jede positive Nachricht misstrauisch aufgenommen werde. „Man hat in der Bevölkerung keine Lust, das Mandat für diese Koalition zu verlängern.“ Die Elite gehe zudem von einer turbulenten nächsten Legislaturperiode aus und glaube nicht, dass Schröder die anstehenden Aufgaben bewältigen könne. Die Führungskräfte hielten vor allem Reformen auf dem Arbeitsmarkt für notwendig (96 Prozent). Aber auch in den Bereichen Bildung (79 Prozent), Steuern und Abgaben (78 Prozent) sowie Gesundheit (75 Prozent) müsse nach Auffassung der Befragten gehandelt werden. Nach Einschätzung von 53 Prozent sei der Reformstau in den vergangenen Jahren konstant geblieben, 27 Prozent der Befragten seien der Auffassung, er habe zugenommen.

          Insgesamt ist die Wechselstimmung nach Köchers Aussagen in der Bevölkerung nicht so hoch wie sie 1998 im letzten Amtsjahr der Regierung Kohl gewesen sei: „Die Wähler wollen aber auf jeden Fall eine Veränderung in der Koalition.“ Die FDP profitiere derzeit vor allem deshalb in den Umfragen, weil sowohl viele CDU-Wähler aber auch viele SPD-Wähler sie und nicht die Grünen als Partner wünschten. Unter den Führungskräften identifizierten 56 Prozent die Grünen als Bremser in der amtierenden Regierung.

          Gute Noten für Eichel, Schily, Späth und Seehofer

          Bei der Bewertung der Mannschaft der beiden Anwärter orientierten sich die Beurteilungen der Führungskräfte nicht an der Parteizugehörigkeit, sagte Köcher. Je 53 Prozent der Befragten nannten Finanzminister Hans Eichel (SPD) und Innenminister Otto Schily bessere Minister als ihre Herausforderer Friedrich Merz (CDU, 33 Prozent) und Günther Beckstein (CSU, 30 Prozent). Lothar Späth (CDU) halten 88 Prozent der Führungskräfte für den besseren Wirtschaftsminister als Werner Müller (parteilos, neun Prozent). Für das Gesundheitsressort ist nach Einschätzung von 85 Prozent der Befragten Horst Seehofer (CSU) besser geeignet als Ulla Schmidt (SPD, fünf Prozent).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Will nicht mit dem amerikanischen Repräsentantenhaus kooperieren: Mike Pence

          Trump-Impeachment : Giuliani und Pence verweigern Kooperation

          Die beiden Vertrauten von Präsident Trump sehen sich durch die Verfassung geschützt und lassen eine Frist zur Vorlage von Dokumenten in der Ukraine-Affäre verstreichen. Den Amtsenthebungsprozess betrachtet Giulianis Anwalt als eine „verfassungswidrige, grundlose und illegitime Untersuchung“.
          Die Uhr tickt: Zwei Wochen vor dem geplanten britischen EU-Austritt scheint eine Einigung immer noch möglich. Aber die Verhandlungen gestalten sich kompliziert.

          Vertragsentwurf bis Nachmittag? : Der Zeitdruck ist enorm

          Bis in die Nacht haben Großbritannien und die EU verhandelt – und die Gespräche am Morgen ohne Durchbruch unterbrochen. Bis zum Nachmittag muss ein Vertragsentwurf stehen – sonst droht Johnson die ungeliebte Fristverlängerung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.