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Allensbach-Studie : So verschieden denken Deutsche und Franzosen

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Geographisch Nachbarn – doch zur Zeit geistig weit voneinander entfernt Bild: dpa

Die Stimmung in Deutschland und Frankreich könnte kaum unterschiedlicher sein: Bei den Meinungen zu Wirtschaft, Politik und Globalisierung liegen Welten zwischen den Nachbarländern.

          Deutsche und Franzosen nehmen die Lage in ihren Ländern vollkommen gegensätzlich wahr. Während in Deutschland 86 Prozent der Ansicht sind, das Land stehe derzeit wirtschaftlich gut da, halten 75 Prozent der Franzosen die wirtschaftliche Situation ihres Landes für schlecht. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Institut für Demoskopie Allensbach in Zusammenarbeit mit dem französischen Meinungsforschungsinstitut Kantar Public France im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Allianz vorgenommen hat. Entsprechend kommen in Deutschland 51 Prozent der Befragten zu dem Schluss, die Zukunftsaussichten der jungen Generation seien gut, während deren Chancen in Frankreich von 76 Prozent als schlecht eingeschätzt werden.

          Das schlägt sich in beiden Ländern in den Zustimmungswerten zum politischen und wirtschaftlichen System nieder: Die Zustimmung zum Wirtschaftssystem liegt in Frankreich bei 27 Prozent, gegenüber 61 Prozent in Deutschland. Noch schlechter ist es bei den Franzosen um das Ansehen des politischen Systems bestellt, dem nur noch 15 Prozent der Befragten vertrauen – während es in Deutschland fast zwei Drittel sind.

          Die Schuld am schlechten Zustand ihres Landes sehen die Franzosen bei der Politik: Nur 19 Prozent der Befragten glauben dort, dass die Wirtschaft des Landes von der Politik ausreichend unterstützt wird, während in Deutschland etwa zwei Drittel der Ansicht sind, die Flankierung der Wirtschaft durch die Politik sei eine der Stärken des Landes, ist eines der Ergebnisse der Untersuchung im Auftrag der F.A.Z.

          Franzosen skeptisch gegenüber der Globalisierung

          So meinen auch nur 13 Prozent der Deutschen, die Globalisierung schade ihrer Wirtschaft, während in Frankreich 55 Prozent davon überzeugt sind. Näher sind sich beide Länder in ihrer Einstellung zur EU, auch wenn in Frankreich der Anteil der Europaskeptiker größer ist: Mehr Nach- als Vorteile der EU-Mitgliedschaft sehen in Frankreich 26 Prozent, in Deutschland nur 14.

          Angesichts der Terroranschläge von Paris und Nizza ist indes erstaunlich, dass die Franzosen die Bemühungen ihrer Regierung im Kampf gegen den Terror als besser einschätzen als die Deutschen. Darin sehen 57 Prozent der Franzosen und – mit abnehmender Tendenz – nur 39 Prozent der Deutschen eine Stärke des eigenen Landes.

          Union baut Vorsprung vor SPD aus

          Teil der Studie ist auch die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl: Diese zeigt einen wachsenden Abstand zwischen Union und SPD: Die Unionsparteien CDU/CSU legen um zwei Punkte auf 36 Prozent zu, während die SPD gegenüber ihrem Höchststand bei der Umfrage im März zwei Punkte verliert und nun bei 31 Prozent liegt.

          Zuvor waren die Werte der Sozialdemokraten seit Jahresbeginn stark gestiegen. Im Bundestag vertreten wären außerdem die Linke mit neun, Grüne und die AfD mit je sieben und die FDP mit sechs Prozent. Während die Linke leicht hinzugewonnen und Grüne und FDP leicht verloren haben, stagniert die AfD. Die Angaben sind gerundet, befragt wurden 1407 Personen zwischen 1. und 13. April.

          Die Studie ist Teil der F.A.Z.-Reihe „Deutsche Fragen – deutsche Antworten“. Dieses Mal schreibt Prof. Dr. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach. Ab 20 Uhr im E-Paper und via F.A.Z. Plus.

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