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Allensbach-Analyse : Die Sehnsucht der Städter nach dem „Land“

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Hier vermutet der Städter das Glück Bild: dpa

Je weniger Menschen Kontakt zum wirklichen Leben auf dem Land haben, desto eher wird dieses zur Projektionsfläche ihrer Phantasie. Die Menschen leben auf dem Land glücklicher, glauben die Städter.

          Das Ausmaß des demographischen Wandels in Deutschland lässt sich gut am Beispiel der Erklärungsnöte illustrieren, in die er die Statistikdozenten an den Hochschulen bringt. Seit Jahrzehnten pflegen diese nämlich ihren Studenten die Geschichte mit den Störchen und den Kindern zu erzählen. Sie veranschaulichen damit die Tatsache, dass ein mathematischer Zusammenhang zwischen zwei statistischen Informationen noch lange nicht bedeuten muss, dass das eine die Ursache für das andere ist. Generationen von Studenten bekamen erzählt, dass dort, wo es besonders viele Störche gebe, auch die Geburtenzahlen besonders hoch seien.

          Das bedeute – überraschenderweise – jedoch noch nicht, dass der Storch die Kinder bringe, sondern es gebe einen Faktor im Hintergrund, der sowohl die hohen Geburtenraten als auch die Zahl der Störche beeinflusse, nämlich die Ländlichkeit: Auf dem Land gebe es verständlicherweise mehr Störche als in der Stadt, und auf dem Land seien die traditionellen Familienstrukturen besser intakt als in den Städten, folglich gebe es dort – gemessen an der Gesamtzahl der Einwohner – mehr Kinder.

          Diese Geschichte ist zwar einleuchtend, aber sie stimmt schon lange nicht mehr. Die meisten Störche gibt es in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, und ebendort sind die Geburtenraten am niedrigsten. Die höchsten Kinderzahlen pro Frau werden in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sowie in einigen anderen großen Städten registriert. Hier gab es in den vergangenen Jahren sogar öfter Geburtenüberschüsse. Hinzu kommen erhebliche Wanderungsbewegungen in die Städte, die dazu geführt haben, dass Berlin in den vergangenen beiden Jahrzehnten etwa 100.000 Einwohner hinzugewonnen hat, Hamburg und München sogar jeweils rund 200.000 Einwohner, während Mecklenburg-Vorpommern, das am stärksten ländlich geprägte Bundesland, allein seit Beginn des Jahrhunderts fast 200.000 Einwohner verloren hat, mehr als zehn Prozent der ursprünglichen Bevölkerung. Eigentlich könnten die Statistikdozenten ihren Studenten erzählen, der Storch vertreibe die Kinder.

          Das Beispiel zeigt, wie sehr sich bei nahezu gleichgebliebener Gesamtbevölkerungszahl die Bevölkerungsstrukturen in Deutschland verändert haben. Während in vielen großen Städten die Mieten steigen, weil das Wohnungsangebot nicht die wachsende Nachfrage nach Wohnraum befriedigen kann, macht man sich in manchen ländlichen Regionen Sorgen um den Erhalt der Infrastruktur, darum, wie die verbleibende Bevölkerung noch mit den notwendigen Dienstleistungen versorgt werden soll, wenn das letzte Lebensmittelgeschäft schließt und der ortsansässige Hausarzt keinen Nachfolger findet.

          Landflucht eher in Klein- und Mittelstädten spürbar

          Wie ernst sind diese Probleme aus Sicht der Bevölkerung wirklich, was unterscheidet das Leben auf dem Land von dem in der Stadt, und welches Bild haben die Stadt- und Landbewohner von der jeweils anderen Region? Dies sind die Fragen, denen in der jüngsten repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nachgegangen wurde. Sie zeigt, dass die tatsächlichen Lebensbedingungen auf dem Land und in der Stadt bisher noch nicht so weit auseinanderklaffen, wie man angesichts mancher öffentlichen Diskussion zu diesem Thema vermuten könnte, dass aber die psychologische Distanz zwischen Stadt und Land erheblich ist und, wie man annehmen muss, zunimmt.

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