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Allensbach-Analyse : Das zarte Pflänzchen Integration

  • -Aktualisiert am

Allerdings spricht aus den Urteilen der Befragten heute wie damals ein deutliches Befremden, besonders gegenüber den türkischen Einwanderern. Erkennbar wird dies etwa an den Antworten auf eine Frage, zu der eine Liste mit 20 Eigenschaften überreicht wurde mit der Bitte, anzugeben, welche dieser Eigenschaften im Allgemeinen auf Türken zutreffen. 82 Prozent wählten daraufhin die Antwort „kinderreiche Familien“ aus, 78 Prozent meinten, bei Türken gebe es keine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, ebenfalls 78 Prozent sagten, die türkische Bevölkerung pflege ihre Sitten und Gebräuche. Wie eine Zusammenfassung dieser Aussagen nimmt sich die mit 73 Prozent am vierthäufigsten ausgewählte These aus: „Sie denken in vielem ganz anders als wir.“

An diesen und den meisten anderen Antworten auf die Frage hat sich in den letzten Jahren wenig geändert, und es gibt auch bemerkenswert wenig Unterschiede zwischen den Reaktionen der Westdeutschen und der Ostdeutschen. In der einen oder anderen Einzelheit sind allerdings dann doch Verschiebungen zu beobachten. So stieg der Anteil derjenigen, die sagen, Türken seien im Allgemeinen freundlich und zuvorkommend, seit dem Jahr 1982 von 13 auf 29 Prozent. Der Aussage, Türken nähmen den Deutschen Arbeitsplätze weg, stimmten damals 39, heute nur noch 15 Prozent zu.

Weniger Vorurteile

Das Bild, das die Deutschen von den Einwanderern haben, ist heute nicht unbedingt positiver als in früheren Jahren, aber es ist weniger von Vorurteilen geprägt und stattdessen stärker auf eigene Erfahrungen gegründet. Im Jahr 1985 sagten 30 Prozent der Westdeutschen, sie seien mit Ausländern, die in Deutschland leben, befreundet oder zumindest so gut bekannt, dass sie sich mit ihnen manchmal privat treffen. Heute sind es 46 Prozent. In den neuen Bundesländern ist der Wert mit 22 Prozent deutlich geringer, aber angesichts des außerordentlich geringen Ausländeranteils in dem Landesteil noch immer bemerkenswert hoch, wenn man ihn mit der westdeutschen Zahl von 1985 vergleicht.

Die steigende Zahl der persönlichen Kontakte zwischen Deutschen und Ausländern hat Folgen. So ist der Anteil derer, die sagen, Ausländer würden oft ausgenutzt und schlecht bezahlt, seit dem Jahr 1997 von 42 auf 29 Prozent zurückgegangen. Die These „Ausländer bringen die Konflikte aus ihrer Heimat zu uns und tragen sie hier aus“ findet heute noch bei 45 Prozent der Deutschen Zustimmung, vor elf Jahren stimmten 57 Prozent zu.

Ausländische Schüler meist gut integriert

Dagegen ist die Zahl derjenigen, die sagen, der hohe Ausländeranteil in den Schulen bringe große Probleme mit sich, im gleichen Zeitraum von 47 auf 67 Prozent gestiegen. Es ist anzunehmen, dass diese Reaktion bei vielen Befragten auf eigenen Erfahrungen beruht. 56 Prozent der Befragten mit Kindern im schulpflichtigen Alter sagen, dass die ausländischen Kinder an ihrer Schule gut integriert seien, aber immerhin 27 Prozent berichten davon, dass es mit der Integration häufiger mal Schwierigkeiten gebe.

Dabei konzentriert sich die Problematik eindeutig auf die Hauptschulen. Hier sagen 51 Prozent der Eltern, es gebe häufiger Probleme mit ausländischen Schülern, auch bei Gesamtschulen ist der Wert mit 41 Prozent noch überdurchschnittlich hoch. Deutlich wird auch, dass die Integrationsschwierigkeiten erst in den späteren Schuljahren auftauchen. Von Integrationsproblemen im Kindergarten berichten nur 12 Prozent der Eltern, auch in der Grundschule scheint sich die Problematik noch in Grenzen zu halten.

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