https://www.faz.net/-gpf-7vjy5

Kampf gegen den IS : Der Terror begann im Multikultiviertel

  • -Aktualisiert am

Ramadanfest in Berlin-Neukölln Bild: dpa

Erst verlangten Islamisten von Frauen, dass sie sich verschleiern. Jetzt werden sie vergewaltigt, verkauft und versklavt – von jungen Burschen, die echte Männer sein wollen. Ein Gastbeitrag.

          Die Nachricht, deutsche Rocker seien „in den Krieg gegen den IS“ gezogen, kam Mitte Oktober. „Andere labern nur, wir tun was“, sagten die Männer, darunter Deutsch-Kurden aus Köln, und posierten breitbeinig, tätowiert und mit geschulterter Kalaschnikow für die Fotografen.

          Die gewaltbereiten Rocker, die ihr Geld in der Regel mit Zuhälterei und Erpressung verdienen, treten an gegen eine ganz ähnliche Sorte Mann: gegen islamistische Söldner, die sich inszenieren wie Kreuzritter, nur ist ihr Pferd im 21. Jahrhundert ein Panzer und ihre Lanze ein Maschinengewehr. Beide Spezies sind nicht gerade zimperlich, schon gar nicht mit Frauen. Sie vergewaltigen sie, verkaufen sie, versklaven sie – ob nun auf dem deutschen Prostitutionsmarkt oder auf den Märkten in Syrien oder im Irak.

          Wir haben es beim „Islamischen Staat“ mit der kollektiven und tödlichen Eskalation eines Phänomens zu tun, das wissenschaftlich „Rekonstruktion von Männlichkeit“ genannt wird: die Wiederherstellung von „Männlichkeit“, von „echtem“ Mannsein, von der diese Sorte Mann in Zeiten der Verunsicherung träumt und die Balsam ist auf die Seelen entwurzelter, frauenloser, marodierender Jungmänner.

          Der IS ist der natürliche Verbündete Erdogans

          Das Phänomen ist nicht neu, sondern seit den achtziger Jahren zu beobachten. Einer der komplexen Gründe dafür sind die erstarkten Frauenrechte. Nirgendwo waren in vorislamistischer Zeit die unter dem Einfluss des Westens wie der Sowjetunion juristisch verbrieften Rechte der Frauen im Nahen Osten so groß wie in Iran, Irak, Syrien, Ägypten, Tunesien und Libyen – auch wenn die muslimischen Sitten hinterherhinkten. Ausgerechnet in diesen Ländern sind die Flammen des Männlichkeitswahns zuerst hochgeschlagen.

          Neu ist am IS nur, dass die unter der schwarzen Flagge der Islamisten vorpreschenden Horden inzwischen nicht nur die Guerrillataktiken, sondern auch die moderne Kriegsführung beherrschen und dass sie international agieren. Beim Kampf um Kobane sieht die Welt zu – und ist zu Recht erschüttert. Obama und Merkel erwarten ausgerechnet vom türkischen Präsidenten, dass er Kobane durch Einmarsch seiner Truppen zur Hilfe eilt (die eigenen möchten sie nun doch nicht verheizen). Was im besten Fall naiv ist. Denn Erdogan denkt gar nicht daran.

          Schließlich war er es, der seit 2011 die islamistischen Söldner über die Grenze nach Syrien ziehen ließ. Und noch am 6. Oktober entließ er laut „Time“ 180 Dschihadisten aus türkischen Gefängnissen, die geradewegs ihren bärtigen Brüdern in Syrien zu Hilfe geeilt sein dürften. Denn der IS ist keineswegs der Hauptfeind des bekennenden Gottesstaatlers Erdogan, dessen Ehefrau und Töchter nur verschleiert auftreten, im Gegenteil: Er ist sein natürlicher Verbündeter.

          Autokratische Herrscher wie Mubarak sind das kleinere Übel

          Feind Nummer eins von Erdogan sind die Autonomie fordernden, unterdrückten Kurden und hier vor allem die militante PKK, die auch in Deutschland als „terroristisch“ verboten ist. Der Konflikt hat die Türkei in den letzten 30 Jahren rund 30.000 Menschenleben gekostet, auf beiden Seiten. Der kurze Frieden ist dahin. Am 13. Oktober ließ Erdogan Stellungen der PKK im Südosten des Landes bombardieren. Auch der Türkei droht jetzt ein Bürgerkrieg.

          Weitere Themen

          Tillerson keilt gegen Trump

          Ehemaliger Außenminister : Tillerson keilt gegen Trump

          Mehr als ein Jahr nach seiner Entlassung spricht Trumps ehemaliger Außenminister Rex Tillerson im Kongress über seine Amtszeit. Dabei erhärtet er eine Sorge vieler Beobachter.

          Theresa May kämpft mit den Tränen Video-Seite öffnen

          Während der Rücktrittsrede : Theresa May kämpft mit den Tränen

          May werde als Parteichefin der Konservativen am 7. Juni zurücktreten, nachdem es ihr nicht gelungen sei, das Parlament von ihrem Brexit-Abkommen zu überzeugen, sagte sie in der Downing Street in London. Mit dem Rücktritt vom Parteivorsitz gibt May auch ihr Amt als Regierungschefin auf – ihr Nachfolger im Amt als Parteivorsitzender wird dann auch Premierminister.

          Blaues Wunder

          Fraktur : Blaues Wunder

          Bist du deppert: Machtbesoffenheit gibt es nicht nur in Österreich!

          Theresa May tritt zurück Video-Seite öffnen

          Der Druck war zu groß : Theresa May tritt zurück

          Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat ihren Rücktritt bekanntgegeben. Sie werde als Parteichefin der Konservativen am 7. Juni zurücktreten, nachdem es ihr nicht gelungen sei, das Parlament von ihrem Brexit-Deal zu überzeugen, sagte May in London. Damit gibt sie auch ihr Amt als Regierungschefin auf.

          Topmeldungen

          Ein Vapiano Restaurant in der Münchner Innenstadt

          30 Millionen Euro : Vapiano erhält dringend benötigte Kredite

          Vapiano verkündete zuletzt eine schlechte Nachricht nach der anderen: Gewinnwarnungen, Abgänge von Spitzenpersonal, tiefrote Zahlen. Jetzt hat sich die angeschlagene Restaurantkette eine wichtige Geldspritze gesichert.

          Ehemaliger Außenminister : Tillerson keilt gegen Trump

          Mehr als ein Jahr nach seiner Entlassung spricht Trumps ehemaliger Außenminister Rex Tillerson im Kongress über seine Amtszeit. Dabei erhärtet er eine Sorge vieler Beobachter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.