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Al Zarqawi : Der Greueltäter

  • -Aktualisiert am

Will offenbar die Wahl in Amerika beeinflussen: Zarqawi Bild: PETRA

Entführungen, Enthauptungen von Geiseln, Selbstmordanschläge: Abu Musab al Zarqawi ist der gesuchteste Terrorist im Irak. Dabei ist schwer auszumachen, welcher Art seine Verbindung zu Bin Ladin ist.

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          Auf dem Höhepunkt des libanesischen Bürgerkrieges in den siebziger Jahren war irgendwann plötzlich von einer "dritten Kraft" die Rede. Man wußte nicht, welcher Seite man die bisher noch nicht auffällig gewordenen Gewalttäter zuschlagen sollte, denn sie gehörten weder zur "muslimischen Linken" noch zu den Milizen der sogenannten christlichen Rechten.

          Es stellte sich bald heraus, daß es sich um die Beiruter Verbrecherwelt handelte, die im Chaos der Bürgerkriegswirren begann, auf eigene Faust zu handeln: Gezielte Morde und Entführungen mit Lösegeldforderungen wurden ihre Spezialität. Auch im Irak sind "Widerstand" und Terrorismus längst mit kriminellen Elementen durchsetzt.

          Einer der Hauptdrahtzieher des Terrorismus im Irak

          Der Zerfall der staatlichen Autorität und das Klima der Gewalt haben dazu geführt, daß politisch motivierter Terrorismus und kriminelle Milieus immer stärker Hand in Hand arbeiten: Geiseln werden offenbar, wie unlängst die beiden am Ende freigekommenen Italienerinnen, aus dem Gewahrsam einer kriminellen Gang in den einer anderen übergeben, die sich "politisch" versteht; so entsteht ein undurchschaubareres Gespinst von Gruppierungen, deren genaue Identifizierung und Einordnung immer schwerer fällt.

          Die Besetzung des Iraks durch Amerikaner und Briten liefert immer häufiger gewöhnlichen Gangstern Vorwand und Rechtfertigung für ihr Treiben. Fest steht allerdings, daß Abu Musab al Zarqawi zu den Hauptdrahtziehern des gegenwärtigen Terrorismus im Irak zählt, auch wenn vielleicht nicht alle Untaten, die ihm und seiner Organisation "al Tauhid wa al Dschihad" ("Einheit und Glaubenskrieg") zugeschrieben werden, von ihm selbst veranlaßt sind. Doch man nennt diesen Mann nicht umsonst den "zweiten Usama", als Anspielung auf Usama Bin Ladin, als dessen Compagnon, aber auch Konkurrent und Rivale er vielen gilt.

          „Mindestens so gefährlich wie Bin Ladin“

          Der Mann gibt sogar den nahöstlichen Geheimdiensten Rätsel auf, etwa dem israelischen Mossad, der sich schon lange mit seiner Person beschäftigt und al Zarqawi für einen Mann "mindestens so gefährlich wie Bin Ladin" hält. Es ist gegenwärtig schwer auszumachen, welcher Art seine Verbindung zu dem "Erzterroristen" noch ist, der selbst im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet wird.

          Es heißt, Zarqawi sei offiziell gar nicht Mitglied der Al Qaida, begrüße allerdings vollständig deren Ziele und fungiere auch als Mittelsmann zu jenen zahlreichen Terrororganisationen und Zellen im Irak, in anderen arabischen Ländern und auch in Europa, die sich dem Netz Bin Ladins verbunden sehen. Vor allem die Amerikaner glauben, nach dem Verlust Afghanistans habe al Zarqawi nun den direkten Auftrag von Usama Bin Ladin, den Irak für Al Qaida zu erobern, doch gibt es auch die Meinung, er handele auf eigene Faust, um sich innerhalb der Terrorszene endgültig zur "Nummer eins" emporzuarbeiten.

          Erfolglose Jugend in Zarqa

          Die Amerikaner haben 25 Millionen Dollar Kopfgeld auf al Zarqawi ausgesetzt, soviel wie auf Bin Ladin, in Jordanien wurde er sogar zum Tod verurteilt. Von dort kommt er auch. Seine "Nisba" - al Zarqawi - weist auf seinen Geburtsort hin: Zarqa im Norden des haschemitischen Königreichs. Dort wurde er vor 38 Jahren geboren - unter seinem eigentlichen Namen Fadil Nazal al Khalaileh als Angehöriger des transjordanischen Stammes der Beni Hassan.

          Abu Musab "aus Zarqa" ist sein Kampfname, den er seit den frühen neunziger Jahren führt. Die Kleinstadt Zarqa wird von einer überwiegend sunnitischen Bevölkerung bewohnt, deren größter Teil palästinensischer Herkunft ist. Das vorherrschende religiös-politische Klima in dem Ort gilt als islamistisch. Zarqawi verlebte in Zarqa eine erfolglose Jugend, beendete die Grundschule nicht und geriet auf die schiefe Bahn.

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