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Al Qaida : Mehr als zwanzig Jahre Terror

  • -Aktualisiert am

2001: Massenmord in New York Bild: picture-alliance/ dpa

Von einer lokal inspirierten Guerrilla-Truppe zur global agierenden Terrororganisation: 1988 gründete Usama Bin Ladin in Pakistan Al Qaida. Die Folgen für den Rest der Welt waren und sind seither unabsehbar.

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          Die meisten der versammelten Männer hörten den Namen an diesem heißen Augusttag im pakistanischen Peshawar zum ersten Mal. „Al Qaida“, zu Deutsch: die Basis, müsse auch nach dem Rückzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan den Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen aufrechterhalten, lautete der Beschluss, den Usama Bin Ladin, der palästinensische Gelehrte Abdullah Azzam, sein religiöser Mentor aus Universitätstagen in Dschidda, und eine Handvoll weiterer Dschihadisten am 11. August 1988 fassten.

          Die militärische Ausbildung von 300 Kämpfern im nächsten halben Jahr, so der Plan, sollte garantieren, dass die bislang versprengt in Afghanistan operierenden „arabischen Afghanen“ schlagkräftiger auftreten würden. Zwar hatte Bin Ladin schon einige Monate zuvor Gesinnungsgenossen aus seiner saudi-arabischen Heimatstadt Dschidda in das Vorhaben, eine zunächst in Afghanistan, später aber auch in arabischen Staaten operierende islamistische Organisation aufzubauen, eingeweiht. Peter Bergen in „The Osama bin Laden I Know“ und Laurence Wright, Autor von „The Looming Tower - Al Qaeda's Road to 9/11“, nennen jenen Tag im August gleichwohl als Gründungsdatum für Al Qaida; auch Abdel Bari Atwan, Verfasser von „The Secret History of al-Qa'ida“, terminiert es auf 1988.

          Abschluss und Ausgangspunkt der steten Weiterentwicklung

          Bereits 1986 hatte Bin Ladin begonnen, Trainingslager in verschiedenen Gegenden Afghanistans zu unterhalten. Zwei Jahre später richtete er ein Büro ein, das die Familien gefallener Kämpfer über deren Tod unterrichtete. Der Name dieser Registratur: Al Qaida. Das fast zehn Tage dauernde Treffen in Peshawar im August 1988 bildete Abschluss und Ausgangspunkt der steten Weiterentwicklung von Bin Ladins am avantgardistischen Denken des Ägypters Sayyid Qutb orientierten islamistischen Projekts zugleich.

          Usama Bin Ladin fährt mit - auf einem Planwagen in Pakistan

          Nach fast sechs Jahren in Afghanistan, die von militärischen Misserfolgen geprägt waren, machte ihm der nahende Abzug der sowjetischen Truppen die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der bis dahin unorganisierten arabischen Kämpfer bewusst. Denn auch das von Azzam Anfang der achtziger Jahre in Peshawar gegründete und von Bin Ladin später finanzierte Informationsbüro (Maktab al Khadamat) zur Rekrutierung arabischer Freiwilliger im Kampf gegen die Sowjetstreitkraft hatte an deren marginaler Rolle nichts ändern können. Gemeinsam mit dem späteren ideologischen Führer Al Qaidas, dem Ägypter Ayman al Zawahiri, der damals noch die Gruppe Al Dschihad kommandierte, sollte Bin Ladin in den kommenden Jahren zum wichtigsten Protagonisten im ideologischen wie militärischen Kampf zum Sturz der arabischen Regime werden.

          Nicht zu reden von seiner Rolle im Krieg gegen den Westen, die er in seiner „Erklärung des Heiligen Krieges gegen die Amerikaner, die das Land der beiden heiligen Stätten besetzen“, 1996 erstmals publikumswirksam formulierte.

          Ein wohlhabender Sprössling eines Bauunternehmers

          Aus Bin Ladins Plan, den Dschihad zunächst in Afghanistan fortzusetzen, wurde jedoch nichts. Schon 1989, nach der Ermordung seines Mentors Azzam, sah er sich zur Flucht aus Afghanistan und zur Rückkehr nach Saudi-Arabien gezwungen. Da er sich früh gegen die Korruption des Königshauses gewandt und die Stationierung amerikanischer Truppen am Vorabend des Zweiten Golf-Krieges 1991 als fremde Besatzung angeprangert hatte, stellte ihn das Regime in Riad unter Hausarrest.

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