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Ahtisaari-Plan : Kosovos Schleichweg zur Unabhängigkeit

Privatwirtschaftliche Diplomatie

Auf diesem Schleichweg zur Unabhängigkeit werden die Führer der albanischen Kosovaren von ausländischen Beratern begleitet. Meist sind es Briten und Amerikaner. Sie formulieren auch die geschliffenen Gastbeiträge, die Çeku, der Oppositionsführer Thaçi oder andere kosovarische Politiker gern zu Werbezwecken in westlichen Zeitungen lancieren. Sie schreiben Reden, warnen vor Fehlern und falschen Worten.

Ganze Firmen haben die kosovarischen Politiker angeheuert, um beim tückischen Weg in die Unabhängigkeit nicht in die Fallen der Serben zu tappen. „Independent Diplomat“ heißt eine dieser Beraterfirmen. Von London aus halfen die Fachleute von „Independent Diplomat“ dabei, die kosovarische Regierung und die überparteiliche Verhandlungsdelegation der Albaner unfallfrei durch die Statusgespräche in Wien zu lotsen.

Zu ihren Dienstleistungen gehört neben der Vorbereitung von öffentlichen Auftritten oder Zeitungsartikeln für ihre Kunden auch die „Beratung und Unterstützung in der Vorbereitung diplomatischer Kampagnen und Strategien“. Der Firmengründer und Direktor Carne Ross, ehemals Diplomat, kennt sich aus in kosovarischen Dingen: Vor seinem Wechsel auf den freien Markt war er zuletzt für die UN-Mission im Kosovo (Unmik) tätig und dort damit befasst, die einheimische Regierung bei der Umsetzung demokratischer Standards zu beraten.

Außendarstellung vermeintlicher Erfolge

Es geschieht überhaupt recht oft, dass ehemalige hohe Unmik-Mitarbeiter ihre bei der Mission erworbenen Kenntnisse und Kontakte nach dem Ausscheiden aus dem Dienst bei den Vereinten Nationen der privatwirtschaftlichen Allgemeinheit zur Verfügung stellen. So machte es auch Simon Haselock, der ehemalige Pressesprecher der Unmik. Von sich sagt Haselock, er habe im Kosovo den Prozess angestoßen, der zum Aufbau „der gesetzlichen Struktur und der ethischen Umgebung“ geführt habe, die nötig gewesen seien, damit „die unabhängigen Medien im Kosovo blühen können“.

Mag das auch nicht von allen bemerkt worden sein, war sein guter Rat dem Präsidenten und dem Regierungschef des Kosovos später teuer. Haselock ist heute Direktor der Firma „Albany Associates“, die die Regierung des Kosovos unter anderem in Fragen „strategischer Kommunikation“ berät.

Zu den Aufgaben von Albany Associates gehört es ausdrücklich, „die internationalen Wahrnehmungen in Anbetracht der Fortschritte der Standards für das Kosovo“ zu beeinflussen. In verständliche Sprache übersetzt heißt das: Die Firma des ehemaligen Unmik-Pressesprechers soll dafür sorgen, dass die schleppend verlaufende Demokratisierung der Provinz wenigstens in der Außendarstellung als Erfolg erscheint.

Zurückhaltung und Kooperationsbereitschaft

Auch mit den ausländischen Diplomaten im Kosovo hält die albanische Führung in Prishtina engen Kontakt. Regelmäßig trifft sich Çeku mit den in der kosovarischen Hauptstadt akkreditierten diplomatischen Vertretern der Kontaktgruppe, und jeden Freitag ist Jour fixe beim deutschen Unmik-Chef Joachim Rücker.

Präsident Sejdiu und Parlamentschef Kole Berisha werden ebenfalls wöchentlich bei dem ehemaligen Oberbürgermeister von Sindelfingen vorstellig. Die Politik, auf die man sich geeinigt hat, setzt auf Zurückhaltung und Kooperationsbereitschaft. Da die Serben in Belgrad die Vorschläge Ahtisaaris verdammen werden, sollen nicht auch noch die Kosovo-Albaner jene Passagen kritisieren, die ihnen Opfer abverlangen. Niemand im albanischen Teil des Kosovos will das Projekt Unabhängigkeit jetzt durch Nörgeln an Einzelheiten gefährden, zumal sich nach einer Lösung der Statusfrage immer noch bevölkerungspolitische Fakten schaffen lassen.

Der westliche Teil der Staatengemeinschaft hilft der albanischen Führung, die seit dem Tode des Präsidenten Ibrahim Rugova vor einem Jahr auf vielen Schultern ruht, sich in den entscheidenden Wochen im Zaum zu halten. Dabei gilt das Motto, mit dem die Politikberater von „Independent Diplomat“ sich anpreisen: „Ein diplomatischer Dienst für jene, die ihn am meisten benötigen“.

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