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Afghanistan-Mandate : „Trennung zwischen OEF und Isaf nur für Europäer“

Deutscher Isaf-Soldat in Kabul: Sinnlose Trennung der Mandate? Bild: dpa

Die deutsche Debatte über das Anti-Terror-Mandat OEF trifft in Kabul auf Unverständnis: Das Bild der „guten Isaf“ und der „bösen OEF“ entspreche schon lange nicht mehr der Realität. Heute wird über die Verlängerung des Mandats im Bundestag abgestimmt.

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          Wer in Kabul nach Meinungen zur Bundestagsdebatte über die Verlängerung des Anti-Terror-Mandats „Operation Enduring Freedom“ (OEF) fragt, erntet vor allem Schulterzucken. Viele westliche Beobachter in Afghanistan halten die Frage, ob bis zu 100 Soldaten der deutschen Spezialtruppe KSK im Rahmen der amerikanisch geführten Mission in Afghanistan eingesetzt werden dürfen, für eine Scheindiskussion. „Hier die gute Schutztruppe Isaf, da die böse OEF. Das ist ein Popanz der innerdeutschen Diskussion“, sagt ein westlicher Beobachter in Kabul, der wegen der Sensibilität des Themas anonym bleiben will.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die Diskussion lenke von den eigentlichen Problemen ab. Es gebe keine kohärente Afghanistan-Politik des Westens. Ebenso wenig gebe es eine gemeinsame Pakistan-Politik. Anstatt wochenlang über die Details einer Beteiligung der Bundeswehr an der Schutztruppe Isaf und der Anti-Terror-Mission OEF zu diskutieren, müsse die Frage geklärt werden, was das Ziel des westlichen Engagements in Afghanistan sei. „Sind wir hier, um Terroristen zu jagen oder Wiederaufbau zu leisten?“

          Isaf längst im unruhigen Süden

          Müßig erscheint vielen Beobachtern die Diskussion auch deshalb, weil beide Missionen in der Praxis immer schlechter voneinander zu trennen sind. Wer gegen OEF stimme, stimme gegen Isaf, heißt es in Kabul. In der Vergangenheit war die amerikanisch geführte OEF-Mission vor allem mit der Terroristenjagd an der afghanisch-pakistanischen Grenze in Verbindung gebracht worden, während die Nato-geführte Isaf sich für den Wiederaufbau einsetzte. Doch diese saubere Unterscheidung ist längst nicht mehr gegeben, seit die Isaf ihren Einsatz auf die unruhigen Regionen im Süden und Osten ausgedehnt hat.

          Isaf-Soldaten: Regelmäßige Kampfeinsätze
          Isaf-Soldaten: Regelmäßige Kampfeinsätze : Bild: ASSOCIATED PRESS

          Seitdem führt auch die Schutztruppe regelmäßig Kampfeinsätze durch, um Taliban-Kämpfer aus bestimmten Gebieten zu vertreiben. Dabei kann sie auch um die Unterstützung von OEF-Truppen bitten, wenn sie selbst nicht über die nötigen Kapazitäten oder Fähigkeiten verfügt. „In der einen oder anderen schwierigen Situation, in der es darum geht, etwas militärisch durchzusetzen, kann OEF an der Seite von Isaf operieren, wenn es durch das OEF-Mandat abgedeckt ist“, sagte Isaf-Stabschef Generalmajor Bruno Kasdorf. „Wenn wir von Aufständischen sprechen, die zugleich einen terroristischen Hintergrund haben, dann ist so etwas im Rahmen des OEF-Mandats möglich.“

          „Die Amerikaner unterscheiden nicht“

          Am deutlichsten sind die Überschneidungen beider Missionen im Osten Afghanistans zu beobachten, wo sowohl amerikanische Isaf-Truppen als auch amerikanische OEF-Truppen stationiert sind. Sie unterstehen demselben Kommandeur, General David Rodriguez. Gemeinsame Operationen stehen schon deshalb auf der Tagesordnung, weil alle amerikanischen Hubschrauber unter OEF-Kommando stehen. Sie werden regelmäßig bei Isaf-Einsätzen im Verantwortungsgebiet der amerikanischen Streitkräfte im Osten des Landes eingesetzt.

          Eine klare Trennung halten die Amerikaner auch gar nicht für sinnvoll. „Wir können unseren Kameraden nicht sagen, dass wir ihnen nicht helfen, weil sie zur Isaf gehören“, sagt ein amerikanischer Soldat auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram nördlich von Kabul. „Das wäre der amerikanischen Öffentlichkeit auch nicht zu vermitteln.“ Gehört der Mann nun zur Isaf oder zu den OEF-Truppen? Seine Uniform weist ihn als Isaf-Vertreter aus. Doch das Abzeichen ist nur mit einem Klettverschluss angeheftet. Mit einem Ruck zieht er es ab und stellt sich als Kommandeur einer OEF-Einheit vor. „Die Amerikaner unterscheiden nicht. Die Trennung ist nur für die Europäer da“, heißt es dazu in der Isaf.

          Nicht genügend europäische Ausbilder

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