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Mazar-i-Sharif : Taliban bekennen sich zu Anschlag auf deutsches Konsulat

  • Aktualisiert am

Bild: AFP

Die Taliban haben bei einem Anschlag vor dem deutschen Konsulat in Nordafghanistan mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Bundeswehrsoldaten erschossen am Tatort zwei Motorradfahrer.

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          Die Taliban begründen ihren Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif mit einer deutschen Mitverantwortung an einem amerikanischen Luftangriff mit vielen Opfern. Das sagte am Freitagmorgen der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid. Deutschland sei an einem Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus beteiligt gewesen, bei dem in der Nacht des 3. Novembers mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen waren. Die Deutschen hätten den amerikanischen Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen. Deshalb sei in der Nacht das Generalkonsulat angegriffen worden.

          Nach der Explosion von mindestens einer vor dem Konsulat gegen 23 Uhr gezündeten Lastwagenbombe stieg die Zahl der Toten bis Freitagmorgen auf mindestens sechs an. Der Chef des Zivilkrankenhauses der Stadt, Nur Muhammad Fais, sagte, bisher seien fünf Tote in das Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Polizeiangaben war auch ein Attentäter ums Leben gekommen, als er vor dem Konsulat die Bombe zündete. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete ohne Nennung von Quellen zudem von einer Schießerei im Anschluss an die Explosion. Eine Bestätigung hierfür gab es zunächst nicht.

          Nach dem Angriff erschossen Bundeswehrsoldaten dort zwei Motorradfahrer erschossen. Das bestätigte der Sprecher des Gouverneurs der Provinz, Munir Farhad. Der Vorfall ereignete sich am frühen Freitagmorgen. Die Motorradfahrer hätten nicht angehalten, als sie dazu aufgefordert worden seien.

          Deutsche waren nach Angaben des Auswärtigen Amts nicht unter den Opfern. Der renommierte afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, sie seien in das von der Bundeswehr geführte, etwa zehn Kilometer entfernte Militärlager Camp Marmal gebracht worden. Im Generalkonsulat arbeiten etwa zwei Dutzend deutsche Mitarbeiter.

          Unklar ist noch, wie viele Talibankämpfer an dem Angriff beteiligt waren. Der Polizeichef der Stadt, Saied Sadat, sagte, am Morgen sei gegen 6.00 Uhr ein zweiter Attentäter entdeckt und festgenommen worden. Er sei unter Schutt begraben gewesen oder habe sich dort versteckt. In der Nacht hatte er von einem Angreifer gesprochen. In der Mitteilung des Auswärtigen Amtes war die Rede von mehreren „schwer bewaffneten Angreifern“, die „vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von „Resolute Support“ zurückgeschlagen worden“ seien.

          Die Taliban hatten nach dem Anschlag eine Stellungnahme veröffentlicht, wonach der Angriff auf das Konsulat „Rache“ für den Luftangriff in Kundus war. Deutschland wurde als „Invasorenland“ bezeichnet. Nach Auskunft der Bundesregierung war die Bundeswehr am fraglichen Luftangriff aber nicht beteiligt. Der Sprecher der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, hatte der dpa nach dem Angriff per E-Mail bestätigt, dass die Vereinigten Staaten einen Luftschlag zum Schutz einer unter Beschuss geratenen afghanisch-amerikanischen Bodenoffensive ausgeführt hatten.

          Der Talibansprecher sagte indes am Morgen: „Wieso sollten wir die Deutschen nicht angreifen? Deutschland war direkt beteiligt an dem Luftschlag, der Zivilisten das Leben gekostet hat. Dieser Luftangriff basierte auf nachrichtendienstlichen Informationen, die deutsche Soldaten den amerikanischen Truppen gegeben haben. Jeder weiß, dass sie noch ein Lager in Nordafghanistan haben. Deutsche Soldaten sind noch immer dort.“

          Masar-i-Scharif ist die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum im Norden Afghanistans. Das deutsche Konsulat ist in einem großen Gebäude auf einem weitläufigen Anwesen untergebracht, das von mehreren Meter hohen Mauern umgeben und stark gesichert  ist.

          Am Stadtrand liegt ein großer Stützpunkt der Nato-Truppen, die allerdings nur noch zur Beratung und Ausbildung und nicht mehr für Kampfeinsätze im Land sind. Die Verantwortung für den Nato-Einsatz im Norden Afghanistans trägt die Bundeswehr. In Masar  sind noch etwa 800 deutsche Soldaten im Einsatz, weitere 1000 Soldaten in dem Camp kommen aus 20 Partnernationen.   

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