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Afghanistan : Rückzug

In ein paar Tagen beginnt der Abzug amerikanischer Truppen aus Afghanistan. Vollständig werden sich die Vereinigten Staaten aber nicht zurückziehen: Den Fehler, sich nicht mehr zu engagieren und das Land sich selbst und unseren Feinden zu überlassen, werden sie hoffentlich nicht noch einmal machen.

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          An diese Ankündigung scheint Präsident Obama sich offensichtlich halten zu wollen und halten zu können: Im Juli, also in ein paar Tagen, beginnt der Abzug amerikanischer Truppen aus Afghanistan. Bis Ende des nächsten, Anfang übernächsten Jahres sollen dann all jene Truppen abgezogen sein, die im Zuge der Aufstockung im Jahr 2009 zusätzlich in das Land am Hindukusch entsandt worden sind. Das hieße allerdings auch, dass in zwei Jahren noch immer annähernd 70.000 amerikanische Soldaten in Afghanistan sein würden.

          Und weiter: Amerikas längster Krieg wäre noch immer nicht (ganz) zu Ende, selbst wenn dann die Afghanen einen Großteil der Sicherheitsverantwortung trügen. Vollständig werden sich die Vereinigten Staaten ohnehin nicht aus Afghanistan zurückziehen. Den Fehler, sich nicht mehr zu engagieren und das Land sich selbst und unseren Feinden zu überlassen, werden sie hoffentlich nicht noch einmal machen.

          An den Grenzen der Leistungsfähigkeit

          Und doch steht außer Zweifel, dass die Amerikaner dieses Konflikts müde sind. Im Kongress - und zwar auch im Lager der Republikaner - wächst die Zahl derer, die auf eine rasche Verringerung der Truppenstärke dringen. Die Regierung wiederum führt Vorgespräche mit Taliban. Ob die nun wirklich willens und fähig zur Versöhnung sind, steht dahin - aber die Kontakte sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Rückzug eingeleitet wird.

          Obama kann sich zugute halten, dass seine Afghanistan-Politik kein Misserfolg war; die Sicherheitslage ist heute nicht mehr und schon gar nicht überall so schlecht, wie sie allgemein geredet wird. Und natürlich war die Tötung Bin Ladins ein Erfolg im Antiterrorkampf, der politisch als Argument zugunsten einer Verringerung der Truppenstärke eingesetzt wird.

          Das aber kann die Mahnung nicht außer Kraft setzen, aus einem geordneten Abzug unter Berücksichtigung der Bedingungen an Ort und Stelle kein Wettrennen zu machen. Maßgeblich kann nicht der Kalender sein, auch nicht der Wahltermin in den Vereinigten Staaten, sondern, im Grundsatz wenigstens, die Fähigkeit der Afghanen, Sicherheit weitgehend selbst zu gewährleisten. Aber man muss nicht naiver sein, als die Realität erlaubt: Die Vereinigten Staaten schreiben das zehnte Jahr eines Krieges, der ihnen aufgezwungen wurde; die Nato steht in einem „out of area“-Einsatz, der sie an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gebracht hat. „Ewig“ wird der nicht währen.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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