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Afghanistan : Obamas „eigener“ Krieg

  • -Aktualisiert am

Bild: afp

Der Krieg am Hindukusch ist für Obama die größte außen- und sicherheitspolitische Herausforderung. Denn er muss den Amerikanern erklären, warum noch mehr ihrer Landsleute geopfert werden müssen, damit Afghanistan leben kann.

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          Wir gewinnen nicht in Afghanistan. Noch nicht. So lautet die Botschaft des amerikanischen Generals McChrystal, des neuen Befehlshabers der Alliierten am Hindukusch. Noch ist die auf 21.000 Mann veranschlagte Verstärkung der amerikanischen Truppen auf dann 68.000 Soldaten nicht vollständig in den Südprovinzen Helmand und Kandahar eingetroffen, da signalisieren die amerikanischen Befehlshaber in der Region schon: Wir brauchen noch mehr Soldaten, zum Kämpfen und auch zur Ausbildung der afghanischen Armee und Polizei.

          Von weiteren 10.000 Mann ist die Rede. Noch richtet sich die Botschaft an Washington und an die Amerikaner, die den Krieg in Afghanistan mit einer Milliarde Dollar Steuergeld pro Woche im Wesentlichen finanzieren. Ob auch bald ein Ruf an die Bündnispartner ergeht, die zusammen etwa 30.000 Mann in Afghanistan stellen, steht dahin.

          Dem Präsidenten steht viel Überzeugungsarbeit bevor

          Für Präsident Obama ist der Krieg am Hindukusch die wichtigste außen- und sicherheitspolitische Herausforderung. Ob die Amerikaner den Krieg im Irak, der mit dem Namen George W. Bush verbunden bleibt, am Ende doch noch als Sieger beenden können, steht dahin. Jedenfalls fielen dort im Juli so wenige Amerikaner wie seit dem Beginn der Invasion im März 2003 nicht. Der Krieg in Afghanistan, der Obamas „eigener“ Krieg ist, hat den verstärkten amerikanischen Truppen bei ihrer Offensive im vergangenen Monat den bisher höchsten Blutzoll seit dem Sturz des Taliban-Regimes von Ende 2001 abverlangt. Wie von den Generälen vorausgesagt, ist es erst schlimmer geworden, ehe es besser werden kann.

          Und während in Berlin gestritten wird, ob die Nato in Afghanistan einen Krieg führt oder etwas anderes, bringen die amerikanischen Truppen jetzt auch am Hindukusch die im Irak unter General Petraeus erfolgreiche Strategie zum Kampf gegen Aufständische in Anwendung. Die Marschorder lautet: Mit mehr eigenen Soldaten die Bevölkerung dort schützen, wo sie lebt, bis die heimischen Sicherheitskräfte für Recht und Ordnung sorgen können. Und das heißt: Mehr eigene Soldaten opfern, damit Afghanistan leben kann. Obama hat viel Überzeugungsarbeit zu leisten - daheim und noch mehr bei den Bündnispartnern.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

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