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Afghanistan : Karsai vom Westen enttäuscht

  • Aktualisiert am

Drängt auf mehr Unterstützung: Karsai Bild: dpa

Der afghanische Regierungschef Karsai kritisiert, dass den Hilfsversprechen des Westens noch nicht ausreichend Taten gefolgt seien.

          Der afghanische Ministerpräsident Hamid Karsai hat sich tief enttäuscht über die bisherigen Hilfsleistungen des Westens für sein durch Kriegswirren und Taliban-Terror zerstörtes Land geäußert. „Wenn die internationale Gemeinschaft nicht will, dass Afghanistan wieder ins Chaos zurückfällt und ein Hort des Terrorismus wird, müssen die großen Versprechen endlich in Taten umgesetzt werden“, sagte der Chef der Übergangsregierung dem "Spiegel“ vor seinem Abflug zu der am Montag in Tokio beginnenden Geberkonferenz. Er hoffe, „dass sich die westliche Welt nicht wieder von uns abwendet wie nach dem Abzug der Sowjets, das wäre ein schrecklicher Fehler. Deshalb mein Appell: Lasst uns nicht im Stich.“

          Für den Fall, dass die Briten ihre Ankündigung wahr machen und spätestens Ende April die Führung der in Kabul stationierten internationalen Schutztruppe Isaf aufgeben, will Karsai die Deutschen in dieser Aufgabe sehen. „Dann sollen die Deutschen die Führungsrolle übernehmen. Sie haben uns auch in unserem Widerstandskampf immer geholfen.“ Nach Angaben Karsais liegen aus vielen Provinzen Anfragen mit der Bitte vor, dort zur Normalisierung der Lage ebenfalls Isaf-Soldaten zu stationieren.

          Kommandeur von Butler: Keine Ausweitung des Einsatzes

          Eine Ausweitung des UN-Mandats über die Stadtgrenzen Kabuls hinaus steht nach Angaben des deutschen Brigadegenerals Carl Hubertus von Butler derzeit nicht auf der Tagesordnung. Von Butler, Kommandeur der deutschen Truppen in Afghanistan, sagte am Samstag: „Es kommt darauf an, ganz klar den Schwerpunkt in Kabul zu setzen.“ Die Hauptstadt sei die Keimzelle für die Zukunft Afghanistans. „Hier müssen wir zunächst einmal alles in den Griff kriegen. Alles andere muss man später sehen.“

          Zur möglichen Ablösung der britischen Führung der Schutztruppe durch die Türkei sagte der Brigadegeneral: „Es zeichnet sich ab, dass es ein Hauptquartier geben wird, das dann möglicherweise multinational besetzt werden wird. Wenn entsprechend politisch in diese Richtung entschieden wird, werden wir da sicherlich einen Anteil daran haben, der nicht ungewichtig ist.“

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