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Afghanistan : Heroin von der Nordallianz

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Opiumanbau in Ostafghanistan Bild: dpa

Gerade erst hatten die Taliban die Opiumproduktion merklich eingedämmt. Doch schon entdecken die neuen Verbündeten Amerikas den Markt für sich.

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          Es schien alles besser zu werden: Im August erhielten ausgerechnet die Taliban ein Lob von den Vereinten Nationen für ihren Kampf gegen den Anbau von Rohopium, den Ausgangsstoff für die Heroinproduktion. Die Extremisten hatten sich in den Monaten davor unversehens besonnen gezeigt, den Opiumhandel für unislamisch erklärt und - zum Leidwesen der Bauern - Mohnfelder vernichtet. Statt dessen befahlen sie den Anbau nahrhafter, wenn auch wenig gewinnträchtiger Feldfrüchte wie Getreide und Reis. So erfolgreich waren die Gotteskrieger, dass die UN-Beobachter jubelten, in den von den Taliban kontrollierten Gebieten, sei der Anbau von Schlafmohn fast vollständig zum Erliegen gekommen.

          Vor kurzem warnte die UN-Drogenkontrollbehörde (INCB) erneut vor einer Ausweitung der Drogenproduktion - diesmal durch Amerikas Verbündete von der afghanischen Nordallianz. Bereits jetzt ist die frühere Opposition nach Angaben des INCB der größte Drogenproduzent in Afghanistan.

          Russische Grenztruppen sehen Ausweitung des Heroinschmuggels

          Seit dem 11. September beobachten auch die Kommandeure der russischen Grenzschützer, die seit dem Abzug der Sowjets 1989 die afghanisch-tadschikische Grenze bewachen, eine deutliche Zunahme des Drogenschmuggels in ihren Grenzabschnitten. Seit Anfang September seien insgesamt rund 1,2 Tonnen Rauschgift an der Grenze zu Tadschikistan beschlagnahmt worden, darunter etwa 750 Kilogramm Heroin, sagte ein Sprecher der russischen Grenzwächter am Montag. In Kriegszeiten werde mehr Geld gebraucht, und „Drogen sind Geld“. Es seien aber auch die Grenzkontrollen wesentlich verschärft worden, so dass mehr Schmuggler aufflögen.

          Das Problem dürfte zunehmen, nachdem die Nordallianz nun mit amerikanischer Unterstützung die afghanischen Grenzgebiete zu den zentralasiatischen Republiken Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan und Iran erobert hat.

          In den Jahren zuvor lieferte Afghanistan rund 75 Prozent der weltweiten Heroin-Produktion - 1999 einen Rekordwert von rund 4.600 Tonnen, im vergangenen Jahr immer noch 3.600 Tonnen. Stets war die Drogenproduktion ein Politikum in der Region. So sollen die USA die Taliban in den Anfängen der Bewegung 1994 nicht nur unterstützt haben, um eine Gas-Pipeline von Turkmenistan durch Südafghanistan nach Pakistan bauen zu können, sondern auch in der Hoffnung, die Taliban würden den umfangreichen Drogenhandel eindämmen. Statt dessen ging die Produktion anschließend gewaltig nach oben. Besser wurde die Situation erst in diesem Jahr.

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