https://www.faz.net/-gpf-139aw

Afghanistan : Fatale Debatte

Bild: reuters

Die Debatte um einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan ist fatal: Bündnispolitisch, weil der Einsatz auf dessen Amerikanisierung hinausliefe; strategisch, weil die Taliban für die Zeit nach dem Abzug ausländischer Truppen planen könnten.

          1 Min.

          Die amerikanischen Streitkräfte beginnen eine neue Offensive in Südafghanistan - und in Deutschland stößt der Bundeswehreinsatz auf immer größere Ablehnung. Es verdient daher Anerkennung, dass Verteidigungsminister Jung auf der Trauerfeier für die drei gefallenen deutschen Soldaten eindringlich vor einer Abzugsdebatte gewarnt hat.

          Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, an dem die Regierung Obama immer mehr amerikanische Soldaten nach Afghanistan verlegt, wäre eine solche Diskussion fatal: bündnispolitisch, weil der internationale Afghanistan-Einsatz doch auf dessen Amerikanisierung hinausliefe; strategisch, weil die Taliban und ihre Terrorkumpane schon für die Zeit nach dem Abzug der ausländischen Truppen planen könnten.

          Der Afghanistan-Einsatz wird nicht ewig dauern, aber ihn jetzt oder bald zu beenden, bevor die Bedingungen für die Afghanisierung der Sicherheit geschaffen sind, setzte das Erreichte aufs Spiel. Eines muss die Bundesregierung mit aller Deutlichkeit sagen: Ein Abzug der Nato im Zeichen einer Niederlage wäre verheerend, für die Afghanen, die Region und darüber hinaus.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Portugal stimmt über Sterbehilfe ab

          Streit im Parlament : Portugal stimmt über Sterbehilfe ab

          Die linke Mehrheit im portugiesischen Parlament will die Sterbehilfe entkriminalisieren. In der Bevölkerung ist nur rund die Hälfte dafür. Die meisten Bürger hätten lieber ein Referendum.

          Topmeldungen

          Nach dem Terrorakt in Hanau : Zeichen gegen das Gift

          Hanau steht unter Schock: Der Bundespräsident spricht von einer tiefen Wunde. Vertreter der Migranten-Community fordern von Innenminister Seehofer mehr Sicherheit. Und Hessens Ministerpräsident sagt, er könne die Angst verstehen.
          Beweissicherung am Tatort: Deutschland hat ein Problem mit Rechtsterror, das ist nicht mehr zu übersehen. Was jetzt?

          Morde in Hanau : Böser, als die Polizei erlaubt

          Statt zwischen Rechtsextremismus und Rechtsterror zu unterscheiden, sollte man beides bekämpfen. Der Staat und seine Organe müssen jetzt aufrüsten – technisch, aber auch mental.

          Gericht hebt Stopp auf : Tesla darf weiter roden

          Umweltschützer erwirkten im Eilverfahren einen Rodungsstopp auf dem Gelände der geplanten Tesla-Autofabrik. Doch nun hat ein Gericht beschlossen: Die Bäume dürfen gefällt werden. Der Beschluss ist nicht weiter anfechtbar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.