https://www.faz.net/-gpf-6u2gp

Afghanistan-Einsatz : Zehn Jahre kosten Deutschland 17 Milliarden

  • Aktualisiert am

Die Studie berücksichtigt auch die Investitionen des Entwicklungsministeriums oder „gesellschaftliche Kosten“ durch Tod oder Verletzung von Soldaten. Bild: dapd

Der Afghanistan-Einsatz kostet Deutschland drei Mal so viel wie die ursprünglich veranschlagten 5,5 Milliarden Euro. Nach Angaben der Wirtschaftsforscher vom DIW muss Deutschland bis zum geplanten Abzug 2014 weitere 5 Milliarden Euro investieren.

          1 Min.

          Der Afghanistan-Einsatz hat Deutschland nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den vergangenen zehn Jahren 17 Milliarden Euro gekostet. Das ist drei Mal so viel wie die von der Bundesregierung offiziell veranschlagten 5,5 Milliarden Euro.

          Bis zum geplanten Abzug der letzten deutschen Kampftruppen Ende 2014 muss Deutschland nach Schätzung der Forscher mindestens fünf weitere Milliarden Euro in den Einsatz investieren. Der Beginn des internationalen Afghanistan-Einsatzes jährt sich am 7. Oktober zum zehnten Mal.

          Die offiziellen Kosten für die Bundeswehrmission wurden bei jeder der 13 Mandatierungen durch den Bundestag seit 2001 festgeschrieben. Im ersten Jahr waren es 436 Millionen Euro, inzwischen hat sich diese Summe mehr als verdoppelt: Im Mandatstext von Januar 2011 wurde erstmals etwas mehr als eine Milliarde Euro veranschlagt. Die DIW-Forscher um den Leiter der Abteilung Entwicklung und Sicherheit, Tilman Brück, gehen in ihren Berechnungen über die reinen Einsatzkosten für Personal, Infrastrukturmaßnahmen oder Materialbeschaffung und -erhaltung hinaus.

          Sie berücksichtigen beispielsweise auch die Investitionen des Entwicklungsministeriums oder des Auswärtigen Amts zur Stabilisierung der Region oder gesellschaftliche Kosten durch Tod oder Verletzung von Soldaten. „Wir haben berechnet, was der Einsatz die deutsche Gesellschaft insgesamt kostet“, sagte Brück der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Bezahlungen der rund 5000 Soldaten im Einsatz wird von den Forschern in die Rechnung einbezogen.

          Sie argumentieren, dass die Bundeswehr ohne die Auslandseinsätze schon jetzt deutlich kleiner sein könnte. In der offiziellen Kostenrechnung ist dieser Posten nicht enthalten. Sollte es wie geplant zu einem schrittweisen Abbau der Truppenstärke bis 2014 kommen, würden sich Gesamtkosten des Einsatzes nach Schätzung der DIW-Experten auf 22 Milliarden Euro summieren.

          Würden die derzeit rund 5000 Bundeswehrsoldaten bis 2014 in voller Stärke am Hindukusch bleiben und erst dann auf ein Schlag abgezogen, würden sogar insgesamt 25 Milliarden Euro zu Buche schlagen, sagte Brück. Nähme man dann auch noch die Kosten für die Finanzierung des Einsatzes über Kredite hinzu, stünde unter dem Strich sogar die Summe von 35 Milliarden Euro.

          Weitere Themen

          Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsident von NRW gewählt Video-Seite öffnen

          Laschets Nachfolger : Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsident von NRW gewählt

          In Nordrhein-Westfalen ist der CDU-Landesvorsitzende Hendrik Wüst zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden. Der bisherige Landes-Verkehrsminister erzielte im ersten Wahlgang deutlich die erforderliche absolute Mehrheit. Er tritt die Nachfolge von Armin Laschet an, der in den Bundestag wechselt.

          Topmeldungen

          Ein Blumenstrauß liegt zu Ehren der Filmemacherin Halyna Hutchins vor der Bonanza Creek Ranch in Santa Fe.

          Unfall am Filmset : „Es war eine echte, antike Waffe“

          Die Staatsanwältin korrigierte das Sheriffsbüro, das wiederholt von einer „Requisitenwaffe“ gesprochen hatte: Es habe sich um eine echte, geladene Waffe gehandelt. Außerdem habe es lose Munition am Set gegeben.
          Benjamin Netanjahu am Dienstag, 26. Oktober 2021, bei einem Besuch des Mahane-Yehuda-Markts in Jerusalem

          Benjamin Netanjahu : Ein Mann kann nicht loslassen

          Er ist seit Juni nicht mehr Israels Ministerpräsident. Aber weil er sich mit dem Machtverlust nicht abfinden will, prägt Benjamin Netanjahu die Politik des Landes noch immer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.