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Afghanistan-Einsatz : „Wir brauchen einen langen Atem“

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Isaf-Kommandeur Petraeus und Verteidigungsminister zu Guttenberg setzen auf „Geduld” Bild: dapd

Isaf-Oberbefehlshaber Petraeus dämpft in Berlin die Erwartungen auf baldige und deutliche Truppenreduzierungen am Hindukusch. Indirekt bestätigte Petraeus Berichte über „Friedensgespräche“ mit einem vermeintlichen Talibanführer, der sich als Schwindler entpuppte.

          Der Oberbefehlshaber der internationalen Afghanistantruppe Isaf, David Petraeus, hat in Berlin die Erwartungen gedämpft, bald deutliche Truppenreduzierungen am Hindukusch zu erreichen. Die Gespräche der afghanischen Regierung mit führenden Taliban bezeichnete er als Bestandteil der Strategie. Sie befänden sich aber noch in einem vorläufigen Status, sagte der amerikanische General nach einem Gespräch mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

          Petraeus besucht im Anschluss an den Nato-Gipfel des vergangenen Wochenendes die wichtigeren europäischen Verbündeten. An diesem Mittwoch ist auch ein Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten des Auswärtigen Ausschusses und des Verteidigungsausschusses sowie mit Außenminister Westerwelle vorgesehen. Am Ehrenmal für die Gefallenen der Bundeswehr will er einen Kranz niederlegen.

          „Freiwerdende Kräfte in Afghanistan reinvestieren“

          General Petraeus sagte, man werde vielleicht in manchen Gebieten, die man zuvor eingenommen und gegen die Aufständischen militärisch gehalten habe, die eigenen Kräfte ausdünnen können, wenn die afghanischen Regierungskräfte die Sicherheitsaufgaben übernähmen.

          Doch werde es dann eher gelten, die Arbeit in anderen Gebieten zu verrichten. Zudem sprach sich Petraeus dafür aus, Kräfte zu „reinvestieren“, wenn sich Erfolge bei der Übergabe der Sicherheitsverantwortung einstellten. Die Erfolge sollten irreversibel sein. Auch Guttenberg sagte: „Wir werden einen langen Atem brauchen.“ Man müsse Geduld haben. Deutschland stehe hinter dem strategischen Ansatz von Petraeus, „der erste Erfolge zeigt“. Es bleibe jedoch viel zu tun.

          „Friedensgespräche“ mit einem Schwindler

          Indirekt bestätigte Petraeus einen Bericht der Zeitung „New York Times“, wonach ein vermeintlicher Talibanführer, der drei Mal Friedensgespräche mit der afghanischen Führung geführt und beachtliche Summen Geldes entgegengenommen habe, ein Schwindler war.

          Präsident Karzai und die Isaf, die die geheimen Treffen unterstützt, habe ihn für Mullah Achtar Muhammad Mansur gehalten, der von manchen als die „Nummer zwei“ der Taliban nach Mullah Mohammed Omar bezeichnet werde. Petraeus sagte, es habe in den vergangenen sechs oder acht Monaten Gespräche mit sehr verschiedenen Leuten gegeben, von denen manche sich als authentisch erwiesen hätten, andere nicht. „Ich war über diese Story nicht überrascht.“

          Die Bundeswehr teilte unterdessen mit, dass die Tornado-Aufklärungsflugzeuge nach annähernd drei Jahren Einsatz Mitte nächster Woche wieder in Deutschland landen sollen. Die Aufklärung im Norden und über ganz Afghanistan solle künftig von Systemen anderer Isaf-Truppensteller übernommen werden.

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