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Afghanistan-Einsatz : Großprojekt Abzug

  • -Aktualisiert am

Am Mahnmal für die gefallenen Bundeswehrsoldaten Bild: dapd

An den Abzugsterminen aus Afghanistan dürfte sich nichts mehr ändern. Denn der Rückzug eines großen Truppenkontingents ist nicht nur militärisch höchst gefährlich, sondern auch ein logistisches Großprojekt. Das weiß auch die Kanzlerin.

          Es könnte sein, dass dies der letzte Besuch von Bundeskanzlerin Merkel bei einem Teil der deutschen Soldaten in Afghanistan war. Denn entgegen den Befürchtungen eines übereifrigen Bundestagsabgeordneten der Grünen dürfte an den Abzugsterminen nicht mehr gerüttelt werden.

          Der Rückzug eines großen Truppenkontingents ist nicht nur militärisch ein höchst gefährliches Unternehmen, er ist auch ein logistisches Großprojekt, zumal wenn er mit den Einheiten anderer Staaten in benachbarten Gebieten koordiniert werden muss. Dass sich gleichzeitig mit der Kanzlerin Verteidigungsminister de Maizière in Usbekistan aufhielt, spricht unter beiden Gesichtspunkten Bände: da werden Vorbereitungen getroffen und Abhängigkeiten geschaffen, die nicht, wenn es die Lage erfordert, von einem auf den anderen Tag wieder umgestoßen werden können.

          An der Lage in Afghanistan wird sich ohnehin nicht mehr viel ändern. Die westlichen Alliierten haben einen Großteil ihres Einflusses aus der Hand gegeben, als sie einen Abzugstermin bekannt gaben - seither wissen die afghanischen Taliban und Aufständische, die von Pakistan aus operieren, dass sie nur warten müssen, um in eine bessere Verhandlungsposition zu kommen. Wie gut die Übergabe der „Sicherheitsverantwortung“ an afghanische Kräfte - Polizei und Militär - tatsächlich funktioniert hat, auch das wird man letztlich erst beurteilen können, wenn diese auf sich allein gestellt sind und sich bewähren müssen.

          Die Ankunft der Kanzlerin bei den in Mazar-i-Sharif stationierten Bundeswehrsoldaten wurde überschattet von dem Amoklauf eines amerikanischen Soldaten in Kandahar, bei dem sechzehn Personen, darunter viele Kinder, getötet wurden. Die darauf folgenden Racheschwüre der Taliban sind niederträchtiger Hohn. Denn die meisten zivilen Opfer, die dieser Krieg gefordert hat, gehen auf das Konto von deren Terrorstrategie, unter der die einheimische Bevölkerung mehr leidet als die ausländischen Soldaten.

          Es entspricht allerdings der psychologischen Dynamik eines Interventionskrieges, der schon länger als ein Jahrzehnt dauert, dass immer stärker die „Besatzer“ für das Morden und das Elend haftbar gemacht werden. Und zur Wahrheit gehört gleichfalls, dass die Brutalisierung des Kampfes, je länger er dauert, auch ausländische Soldaten psychisch belastet und schädigt.

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