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Afghanistan : Ein Land im Wartemodus

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Jungen beim Spiel in Mazar-i-Scharif, der Wirtschaftsmetropole Afghanistans. Sie gehen erst nachmittags zur Schule, morgens sind sie Mädchen dran. Bild: John Wendle

Mit dem Abzug der internationalen Truppen droht Afghanistan eine Wirtschaftskrise. Doch der Elite geht es prächtig. Ihre Hoffnung: Öl und Gas.

          7 Min.

          Klapprige Autos mühen sich durch matschige Straßen. Aus den offenen Abwasserkanälen dringt Uringeruch. Rohe Hammelhälften hängen ungekühlt unter den Vordächern der Läden. Ziegen suchen in den Müllbergen am Straßenrand nach Essbarem. Inmitten von Schmutz und Armut erhebt sich im Stadtzentrum von Mazar-i-Sharif die neue elfstöckige Firmenzentrale des Geschäftsmanns Mohammad Ibrahim Ghazanfar, eines der reichsten Männer des Landes. Das Tor zur Tiefgarage öffnet sich automatisch. Zwischen gepanzerten Jeeps stehen bewaffnete Bodyguards. Mit dem gläsernen Aufzug, in dessen Wand ein Flachbildschirm eingelassen ist, geht es hinauf in den neunten Stock. Ghazanfar empfängt im hellgrauen Business-Anzug in seinem Büro. Eilfertige Diener servieren Tee und Süßigkeiten.

          Stolz erzählt der Unternehmer von seinem neuesten Deal: Zusammen mit der Turkish Petroleum International Company und der Dragon Oil aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat er vor fünf Wochen Förderrechte für Öl im Norden Afghanistans erworben. Im internationalen Vergleich sind es relativ kleine Vorkommen – nach Schätzungen sollen rund 500 Millionen Barrel Öl und 90 Billionen Kubikmeter Gas dort lagern. Entdeckt wurden sie ebenso wie viele andere Bodenschätze des Landes schon vor Jahrzehnten. Afghanistan verfügt unter anderem über Kupfer, Eisenerz, Gold, Lithium und seltene Erden. Doch wegen des seit mehr als 30 Jahren andauernden Bürgerkriegs konnten sie bislang kaum ausgebeutet werden.

          Bodenschätze sind die Hoffnung des Landes 

          Der Bergbau zählt zu den wenigen wirtschaftlichen Potentialen des Landes, in dem nur jeder Vierte seine Familie hinreichend ernähren kann. Die Regierung braucht dringend Einnahmen, denn internationale Finanzhilfen machten zuletzt mehr als 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Zudem droht mit dem Abzug des internationalen Militärs und der Reduzierung von Hilfsgeldern eine Wirtschaftskrise. Zehn Jahre lang hat die Versorgung der mehr als 100000 ausländischen Soldaten und der Bau von Kasernen, Straßen und Schulen dem Land einen Boom der Logistik- und Bauindustrie beschert. Die Wirtschaft wuchs durchschnittlich um acht bis neun Prozent. Doch 2013 werden es nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds nur noch drei Prozent sein.

          Mädchen der Naqshbandi-High School in Mazar-i-Scharif im Norden Afghanistans. Das Auswärtige Amt läßt dort derzeit ein neues Schulgebäude bauen.
          Mädchen der Naqshbandi-High School in Mazar-i-Scharif im Norden Afghanistans. Das Auswärtige Amt läßt dort derzeit ein neues Schulgebäude bauen. : Bild: Uta Rasche

          Der Unternehmer Ghazanfar ist dennoch optimistisch: „Afghanistan kann das reichste Land der Erde werden“, sagt er mit Blick auf die Bodenschätze, deren Wert das amerikanische Verteidigungsministerium auf eine Billion Dollar schätzt. Bislang allerdings ist Afghanistan eines der ärmsten Länder der Welt. Auch Ghazanfar hat seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 von der Präsenz der ausländischen Militärs und Hilfsorganisationen kräftig profitiert. Die Isaf brauchte Baumaterial und Öl und nur sehr wenige Unternehmen in Afghanistan waren in der Lage, große Mengen davon zu importieren – darunter Ghazanfar, dessen Unternehmen über 200 Tanklastzüge, riesige Öltanks und ein eigenes Netz von Tankstellen verfügt. Auch die Ghazanfar-Bank machte gute Geschäfte mit der Abwicklung von Milliarden an Hilfsgeldern.

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