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Afghanistan : Drei Tote im deutschen Feldlager

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

In einem Außenposten der Bundeswehr in Afghanistan hat ein Mann in afghanischer Armeeuniform am Freitag drei deutsche Soldaten erschossen. Sechs weitere wurden verwundet. Nur einen Tag zuvor hatte Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg den Stützpunkt „OP North“ besucht und dort übernachtet. Als einziger Journalist begleitete F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler den Minister.

          Nur einen Tag nach dem Besuch von Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) auf einem Außenposten der Bundeswehr in Afghanistan sind dort bei einer Schießerei drei deutsche Soldaten gefallen, sechs Soldaten wurden verwundet. Die Soldaten befanden sich innerhalb des befestigten Lagers „OP North“ in der Provinz Baghlan, als ein Mann in der Uniform der afghanischen Armee mit seinem Gewehr das Feuer auf sie eröffnete.

          Minister Guttenberg bestätigte am Freitagabend zunächst den Tod von zwei Soldaten. Der Angreifer sei ebenfalls ums Leben gekommen, sagte Guttenberg. Der afghanische Soldat war nach den Worten Guttenbergs zur Außensicherung des Bundeswehr-Lagers eingesetzt. Der Soldat sei auf dem Weg zurück ins Lager gewesen und habe dann völlig überraschend mit seiner Waffe das Feuer eröffnet. Zuvor sei er nicht auffällig geworden.

          Schüsse aus kurzer Distanz

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung waren die Bundeswehrsoldaten damit beschäftigt, einen „Marder“-Schützenpanzer instand zu setzen. Sie befanden sich auf dem Abstellplatz ihrer Einheit, der nahe dem Eingang zum „Observation Point (OP) North“ liegt. Dabei seien sie überraschend und aus kurzer Distanz beschossen worden. Die Bundesregierung sprach von einem „hinterhältigen Terrorakt“. An ihrer Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee will sie aber festhalten.

          Besuch im Kampfgebiet: Verteidigungsminister zu Guttenberg auf einem vorgeschobenen Posten am Donnerstag nahe Kundus

          Auch im nordafghanischen Kundus ist die Bundeswehr erneut Ziel eines Anschlages geworden. Bei dem Angriff auf eine Patrouille acht Kilometer nordwestlich des regionalen Wiederaufbauteams PRT wurde die Einheit nach Bundeswehrangaben am Freitagnachmittag mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrgranaten beschossen. Dabei wurden vier Soldaten verwundet. Bei keinem Soldaten bestehe Lebensgefahr, hieß es. Ein Soldat sei mittelschwer und drei leicht verletzt worden.

          „Ein Angriff auf all jene, die sich für ein friedliches Afghanistan einsetzen“

          Das „OP North“ befindet sich auf einer Anhöhe nahe der Stadt Pul-i-Kumri, 70 Kilometer südlich von Kundus. Dort sind 500 Soldaten eines sogenannten Ausbildungs- und Schutzbataillons stationiert, das die afghanische Armee im Einsatz ausbilden soll. Die Soldaten der internationalen Isaf-Truppe gehen gemäß dem Grundsatz des „Partnering“ gemeinsam mit afghanischen Sicherheitskräften in Operationen gegen Aufständische.

          Das sei notwendig, um die Afghanen zu befähigen, selbst die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land zu übernehmen, sagte Guttenberg. Dafür sei es notwendig, dass deutsche und afghanische Kräfte in einem Stützpunkt zusammenlebten. Dass das Risiken berge, hätten andere Nato-Verbündete schon erfahren müssen. „Erstmals hat ein solcher Angriff heute zu Opfern geführt. Dennoch darf dieser Angriff gerade nicht dazu führen, das bislang sehr erfolgreiche Partnering in Frage zu stellen, weil dies unseren Gegnern in die Hände spielen würde.“

          Außenminister Westerwelle (FDP) sprach von einem „hinterhältigen Terrorakt“. Der Anschlag habe nicht nur der Bundeswehr gegolten: „Es war ein Angriff auf all jene, die sich für ein friedliches Afghanistan einsetzen.“

          Die Distrikte am Baghlan-Fluss waren bis ins vergangene Jahr von aufständischen Gruppen beherrscht, die aber in mehreren Offensiven vertrieben wurden. Dabei wurden im vergangenen Jahr dort insgesamt fünf deutsche Soldaten getötet. Guttenberg war schon zum zweiten Mal im Lager „OP North“, diesmal blieb er dort auch über Nacht. Als einziger Journalist begleitete F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler den Minister. Die Reportage erscheint in der Samstagsausgabe der F.A.Z.

          Acht Tote bei Selbstmordanschlag

          Im Südosten Afghanistans riss ein Selbstmordattentäter bei einem Anschlag auf einem Marktplatz acht Menschen mit in den Tod. Wie ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai am Freitag mitteilte, wurden mehr als 40 weitere Menschen verletzt, als sich der Täter in einem Auto in der Provinzhauptstadt Chost in die Luft sprengte. Nach Polizeiangaben sind unter den Opfern auch afghanische Sicherheitskräfte. Die Provinz Chost an der Grenze zu Pakistan gilt als Hochburg der Taliban.

          In der weiter nördlich gelegenen Grenzprovinz Kunar wurden unterdessen nach Angaben der Internationalen Schutztruppe Isaf mehr als 30 Aufständische bei einem Luftangriff getötet. Die Soldaten hätten in der Nacht in einem Gebäudekomplex Bewaffnete entdeckt und angriffen. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen, so die Isaf weiter. Auch die Provinz Kunar liegt an der pakistanischen Grenze.

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