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Afghanistan : Die Führer der Nordallianz

  • -Aktualisiert am

Burhannudin Rabbani: Islamgelehrter im Präsidentenamt Bild: dpa

FAZ.NET stellt die wichtigsten Anführer der afghanischen Nordallianz vor.

          Nach dem Sieg der Nordallianz steht die politische Neuordnung Afghanistans an. In die Freude der Bewohner Afghanistans über die Befreiung vom radikalislamischen Taliban-Regime mischt sich Sorge um die Zukunft. Schließlich haben die Führer der Nordallianz das Land schon einmal ins Chaos gestürzt.

          Die Nordallianz ist eine ungleiche Ansammlung von Kriegsherren und Mudschahedinführern. Sie blicken auf eine lange Geschichte der Gewalt, des Misstrauens und wechselnder Bündnisse zurück. Ihr jahrelanger Kampf um die Vorherrschaft in Afghanistan nach dem Abzug der Sowjets hat Zehntausende Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Ihnen werden Massaker, Menschenrechtsverletzungen und Massenvergewaltigungen zur Last vorgeworfen. Auch Kabul wurde nicht etwa von den sowjetischen Besatzern, sondern von rivalisierenden Mudschahedinführern in Schutt und Asche gelegt.

          Burhannudin Rabbani

          Der 61-jährige Führer der Mudschahedin-Gruppe Dschamiat-i-Islami war von 1992 bis 1996 afghanischer Präsident. Nach der Eroberung Kabuls durch die Taliban leitete er von seiner Geburtsstadt Faizabad in der Provinz Badachschan aus die Exilregierung. Da das Taliban-Regime international nie anerkannt wurde, gilt Rabbani für die Vereinten Nationen noch immer als gewählter Präsident und damit rechtmäßiger Vertreter Afghanistans. Der tadschikische Islamgelehrte wird als moderater Fundamentalist bezeichnet, nichtsdestotrotz setzt er sich dafür ein, alle Bereiche des Lebens zu islamisieren. Rabbani kehrte nach der Eroberung Kabuls in die Hauptstadt zurück und erklärte sich zum legitimen Staatsoberhaupt Afghanistans.

          Ahmad Schah Massud: Der Löwe des Pandschir-Tals

          Ahmad Schah Massud

          Der „Löwe des Pandschir-Tales“ fiel am 9. September 2001 einem wahrscheinlich von Usama bin Ladin in Auftrag gegebenen Sprengstoffattentat zum Opfer. Damit verlor die Nordallianz ihren fähigsten militärischen Führer. Massud, ein Schüler Rabbanis, erwarb sich im Kampf gegen die Sowjetunion seinen Ruf als genialer Stratege. 1992 rückte er mit seinen Truppen in Kabul ein und wurde Verteidigungsminister der Regierung Rabbani. Vier Jahre später zog er sich vor den anrückenden Taliban aus der Hauptstadt in das Pandschir-Tal zurück, von wo aus er seinen Kampf fortsetzte.

          Muhammad Fachim

          Der 44-jährige Pandschiri wurde nach der Ermordung Schah Massuds sein Nachfolger als Verteidigungsminister der Nordallianz. Fachim war über Jahre hinweg Massuds Sicherheitsberater. Er gilt als verlässlicher und zäher Militärführer, verfügt aber nicht über Massuds Charisma. Politische Ambitionen scheint er nicht zu hegen.

          Junis Kanuni

          Kanuni, ein enger Freund Massuds, spielte schon zu dessen Lebzeiten eine wichtige Rolle im Verteidigungsministerium. Nach dem Tode Massuds übernahm Kanuni die politische Führungsrolle und wurde Innenminister der Nordallianz. Er leitet die Delegation der Nordallianz auf der UN-Afghanistan-Konferenz in Bonn.

          Abdullah Abdullah

          Der Außenminister der Nordallianz war ein enger Vertrauter und Schüler Massuds. Der Arzt aus dem Pandschir-Tal ist das bekannteste Gesicht der neuen Führungsgruppe der Nordallianz, die von ihm, Kanuni und Fachim geleitet wird. Differenzen mit Präsident Rabbani sind unübersehbar.

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