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Afghanistan : Bundeswehrsoldat schwer verwundet

  • Aktualisiert am

Wieder ist auf die Bundeswehr in Afghanistan ein Anschlag verübt worden Bild: AP

In zwei Gefechten bei der nordafghanischen Stadt Kundus sind acht Bundeswehrsoldaten verwundet worden, einer von ihnen schwer am Kopf. Die Soldaten hatten Luftunterstützung angefordert, die Kampffugzeuge setzten aber zunächst keine Waffen ein.

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          In zwei Gefechten bei der nordafghanischen Stadt Kundus sind am Mittwoch acht Bundeswehrsoldaten verwundet worden, einer von ihnen schwer am Kopf. Er wurde zur weiteren Behandlung nach Mazar-i-Scharif ausgeflogen, wo die Bundeswehr einen größeren logistischen Stützpunkt hat. Nach Bundeswehrangaben wurde eine Patrouille am Morgen 12 Kilometer südlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus mit Gewehren und Panzerfäusten angegriffen. Ein Transportpanzer wurde mit einer Panzerfaust getroffen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und forderten Luftunterstützung an.

          Kampfflugzeuge der Afghanistanschutztruppe Isaf flogen im Tiefflug über die gegnerischen Stellungen („Show of Force“) und stießen zusätzlich Hitzefackeln als Drohung aus, setzten aber keine Waffen ein. Mit dieser Unterstützung konnte die Patrouille sich nach knapp einer Dreiviertelstunde zurückziehen. Ein Zug der Eingreifreserve (QRF) setzte jedoch nach, wie es weiter hieß, und nahm den Feuerkampf „im gleichen Raum“ wieder auf. Auch in diesem etwa einstündigen Gefecht unterstützten Kampfflugzeuge mit „Show of Force“. Über möglicherweise getötete Angreifer machte die Bundeswehr mangels bestätigter Kenntnis vorerst keine Angaben.

          Berlin will vorerst keine weiteren afghanische Polizisten finanzieren

          Die Bundesregierung sieht unterdessen keine Veranlassung, der dringenden Anforderung des für den Militäreinsatz im Norden Afghanistans zuständigen deutschen Regionalkommandeurs nachzukommen, weitere afghanische Polizisten zu finanzieren. Das machten am Mittwoch in Berlin die Sprecher des Außen-, Innen-, Verteidigungs- und Entwicklungsministeriums deutlich.

          Belgische und deutsche Soldaten nach einer Patrouille in Kundus

          Der Kommandeur der Schutztruppe Isaf in der Nordregion, Brigadegeneral Vollmer, hatte zu Wochenbeginn darauf hingewiesen, dass zur Stabilisierung der Provinz Kundus zusätzliche Polizisten dringend benötigt würden. Vollmer schlug vor, Deutschland solle die Einstellung und Bezahlung von 2500 Polizisten finanzieren, sofern diese dann in Kundus eingesetzt würden. Nach Angaben des Generals gibt es ein entsprechendes Projekt der Briten im Süden des Landes.

          Sprecher des Innen- und Außenministeriums wiesen darauf hin, dass Deutschland bereits sechs Millionen Euro in einen „Law and Order Trust Funds“ gebe, aus dem afghanische Polizisten bezahlt würden. Das Problem der Bezahlung, die entscheidend für die Loyalität der Polizisten sei, sei mithin „schon vor längerer Zeit angegangen worden,“ hieß es im Innenministerium. Die Verteilung der Polizisten sei Sache der afghanischen Regierung.

          Besonders zwei Distrikte südwestlich der Stadt Kundus werden zunehmend von den Taliban beherrscht. Sie bewegen sich dort nach Beobachtungen deutscher Soldaten teils offen bewaffnet, errichten Kontrollpunkte und bedrohen Personen, die mit Regierungskräften oder ausländischen Soldaten „zusammengearbeitet“ haben, und sei es nur durch ein Gespräch. Patrouillen im Distrikt Chardara werden in der Regel angegriffen, so auch am Mittwoch.

          In Militäroperationen der afghanischen Sicherheitskräfte mit Unterstützung der Deutschen wurden die Taliban zwar zeitweise zurückgedrängt, kamen aber nach Abschluss der Operation wieder zurück, weil für eine dauerhafte Präsenz die Kräfte fehlen. Das funktioniere allenfalls „wie ein Scheibenwischer“, sagte Vollmer. In der Provinz Kundus gebe es auf 770. 000 Einwohner 1200 Polizisten, davon knapp die Hälfte in der Stadt Kundus. Vor anderthalb Jahren wurden durch die afghanische Regierung 500 Polizisten abgezogen und nach Kabul verlegt, weil dort die Verantwortung für Sicherheit von der Isaf in afghanische Hände übertragen worden war.

          Admiral Mullen fordert mehr Soldaten

          Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Admiral Michael Mullen, hat vor dem Streitkräfteausschuss des Senats in Washington mehr Soldaten für Afghanistan gefordert. Mullen, der seinen Posten im Oktober 2007 übernahm und für eine zweite Amtsperiode von zwei Jahren kandidiert, bezeichnete es als „wahrscheinlich“, dass zum erfolgreichen Kampf gegen die Taliban und Al Qaida mehr Soldaten benötigt würden.

          Der amerikanische Kommandeur der internationalen Truppen am Hindukusch, General Stanley McChrystal, werde „in sehr naher Zukunft“ eine offizielle Anfrage zur weiteren Truppenverstärkung stellen, sagte Mullen. Der Kampf in Afghanistan könne gewonnen werden, erfordere aber „mehr Zeit und mehr Engagement“, auch von den Verbündeten in der Nato.

          Präsident Barack Obama hatte Anfang des Jahres eine Aufstockung um 17000 amerikanische Kampftruppen und 4000 Ausbilder auf insgesamt 68.000 Mann verfügt. Die letzten dieser zusätzlichen Kräfte werden bis Ende September in Afghanistan eintreffen, sagte Mullen. In der regierenden Demokratischen Partei und in der Bevölkerung wächst der Widerstand gegen die Entsendung zusätzlicher Soldaten nach Afghanistan.

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