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Afghanistan : Beunruhigend

  • -Aktualisiert am

Als die Isaf-Soldaten anrückten, war es bereits zu spät. Der Überfall auf das UN-Büro in Mazar-i-Sharif zeigt: Die geplante Übergabe von Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte ist ein wackeliges Konstrukt, mit dem vor allem der Abzug der Isaf-Truppen gerechtfertigt wird.

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          Mazar-i-Sharif, eine der heiligen Städte des Islams im Norden Afghanistans, gehört zu den Gebieten, in denen die internationale Schutztruppe (Isaf) schon im Juli die Verantwortung für Sicherheit an die afghanische Armee und die afghanische Polizei übergeben will. Am Stadtrand befindet sich das von einem deutschen Generalmajor befehligte regionale Hauptquartier der Isaf-Truppen für den Norden Afghanistans. Dass es gerade in dieser als ruhig und sicher geltenden Stadt zu gewalttätigen Ausschreitungen kam, bei denen in der vergangenen Woche sieben ausländische UN-Mitarbeiter getötet wurden, ist beunruhigend.

          Denn es zeigt, wie schnell eine vermeintlich stabile in eine bedrohliche Lage umschlagen kann; wie leicht der Volkszorn gegen Fremde zu mobilisieren ist. Es mag sein, dass die Proteste gegen die Verbrennung eines Korans durch einen exzentrischen Pastor in Amerika als friedliche Demonstration begannen. Doch dann ist daraus — vielleicht mit Hilfe von Provokateuren — ein prügelnder und mordender Mob geworden. Auch eine junge Deutsche, die gerade erst nach Mazar-i-Sharif gekommen war, gehört zu den Opfern.

          Aus dem Umkreis der Vereinten Nationen ist nun der Vorwurf zu vernehmen, Truppen der Isaf seien nicht rechtzeitig zur Stelle gewesen, um das UN-Büro im Stadtzentrum in der Stunde großer Gefahr zu schützen. Offenkundig war die afghanische Polizei nicht in der Lage, den Protestzug aufzuhalten. Und das nepalesische Sicherheitspersonal der Vereinten Nationen konnte, obwohl es bereit war, sein Leben einzusetzen, einen Sturm des UN-Geländes nicht verhindern.

          Als schwedische und deutsche Isaf-Soldaten in ihren Fahrzeugen anrückten, war es bereits zu spät. Ein Vorwurf ist ihnen daraus nicht zu machen; insbesondere wenn die jetzt in Berlin verbreitete Version zutreffen sollte, dass es ein „Unterstützungsersuchen“ der UN oder der afghanischen Behörden nicht gegeben habe. Gleichwohl haben Isaf-Kräfte die Protestkundgebung offenbar mit Drohnen aus der Luft überwacht — und waren dann auch auf eigene Initiative zur Stelle. Selbst wenn ihnen ein Versagen nicht vorzuwerfen ist, zeigt auch dieser Zwischenfall: Die geplante Übergabe von Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte bis 2014 ist ein wackeliges Konstrukt, mit dem vor allem der Abzug der Isaf-Truppen gerechtfertigt wird. Doch wer schützt dann die UN-Mitarbeiter?

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