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Afghanische Sicherheitskräfte : Halten sie stand?

In der Provinz Helmand: Grenzpolizisten im Kampf gegen die Taliban Bild: AFP

Die afghanischen Sicherheitskräfte bekommen immer mehr Aufgaben. Oft sind sie überfordert. Doch weil es an Geld fehlt, werden die Truppen verkleinert statt vergrößert.

          Das Attentat eines afghanischen Soldaten auf ranghohe ausländische Soldaten in einer Militärakademie bei Kabul am Dienstag hat einmal mehr die Frage aufgeworfen, inwieweit die Taliban in der Lage sind, die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterwandern. Häufiger als Angriffe auf Ausländer sind dabei Attacken innerhalb der afghanischen Sicherheitskräfte. Aktuelles Beispiel: Am Mittwoch vergiftete ein Polizist an einem Außenposten in der Provinz Uruzgan seine sieben Kollegen und floh anschließend mit Aufständischen. Bei der Machtergreifung der Taliban in den neunziger Jahren gehörte deren Fähigkeit, ganze Einheiten der gegnerischen Truppen zum Seitenwechsel zu bewegen, zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Gemessen daran erscheint heute die Attraktivität der Taliban als Alternative zur Regierung in Kabul sehr gering.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Mit dem Abzug der ausländischen Kampftruppen bis Ende des Jahres stellt sich indes immer dringlicher die Frage, ob die von ihnen aufgebauten afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage sein werden, dem Ansturm der Taliban standzuhalten und eine Rückkehr des alten Regimes zu verhindern. Schon jetzt hat die Schließung eines Großteils der ausländischen Militärbasen den Charakter des Krieges verändert und den Druck auf die Sicherheitskräfte auch außerhalb der bisherigen Taliban-Hochburgen massiv erhöht. Während die Aufständischen in der Vergangenheit wegen der Luftüberlegenheit der internationalen Streitkräfte vor allem auf Sprengsätze und Angriffe aus dem Hinterhalt setzten, suchen sie in dieser Kampfsaison – zunehmend selbstbewusst – die direkte Konfrontation mit den afghanischen Sicherheitskräften, oft in Formationen von mehreren hundert Kämpfern, und erzielen so deutliche Geländegewinne.

          In einem im Juli veröffentlichten Bericht der Afghanistanmission der Vereinten Nationen (Unama) heißt es, die Schließung ausländischer Militärstützpunkte in der Fläche habe „in einigen Gebieten Räume für Antiregierungskräfte geöffnet, um den afghanischen Sicherheitskräften die Kontrolle über zentrale Routen und Gebiete streitig zu machen“. Das gilt etwa für den Distrikt Sangin in der Provinz Helmand, der für den lukrativen Drogenhandel von Bedeutung ist. Seit einem Monat liefern sich die Taliban dort heftige Gefechte mit den Sicherheitskräften; mehr als 200 Zivilisten und 100 Soldaten sollen dabei getötet worden sein. Anhaltende Kämpfe werden auch aus der Provinz Nangarhar gemeldet, einem der wirtschaftlichen Zentren des Landes, wo der Abzug amerikanischer Truppen eine besonders sichtbare Lücke gerissen hat. Auch in Kundus hat die Gewalt nach dem Abzug der deutschen Truppen im vergangenen Jahr zugenommen.

          Graeme Smith vom Analyseinstitut International Crisis Group verweist allerdings darauf, dass die bisherigen Geländegewinne weniger militärstrategische als symbolische Bedeutung hätten. Sie zeigten, dass die Taliban in der Lage seien, in einer regulären militärischen Auseinandersetzung gegen die afghanischen Sicherheitskräfte zu bestehen. Die Übernahme eines städtischen Zentrums ist den Taliban dagegen bisher ebenso wenig gelungen wie die Unterbrechung einer zentralen Nachschubroute der Sicherheitskräfte. Fachleute nehmen an, dass sie diese Fähigkeit, die für einen Sturz der Regierung in Kabul erforderlich wäre, auch vorerst nicht erlangen werden.

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