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Der (un)bekannte AfD-Wähler : Jung, männlich – und enttäuscht

Die Wählerwanderung, von der die AfD profitiert hat, wird hier dargestellt je nach Lager. Die Größenverhältnisse sind nur Annäherungen. Der größte Kreis stellt die Nichtwähler dar. Bild: Illustration FAZ.NET

Die AfD ist auf dem Höhenflug. Wer sind die Leute, die sie gewählt haben, und was treibt sie um? Ein Blick in Wahl- und Umfragedaten.

          Der Aufstieg der „Alternative für Deutschland“ hat alle drei Landtagswahlen geprägt. In alle Parlamente wird die AfD in zweistelliger Stärke einziehen. Was wissen wir über die Leute, die diese Partei gewählt haben?

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Job – Den größten Rückhalt hat die AfD unter Arbeitern und Arbeitslosen, den geringsten unter Rentnern. Das trifft auf alle Bundesländer zu, am deutlichsten aber auf Baden-Württemberg. Dort kommt die AfD auf 15,1 Prozent aller Stimmen, erreicht bei Arbeitern aber 30 und bei Arbeitslosen sogar 32 Prozent. Das zeigen die Daten von Infratest dimap für die ARD.

          Geschlecht – Die Entscheidung für die AfD hat viel mit dem Geschlecht zu tun. Hier hat die Partei ein Alleinstellungsmerkmal: Anders als bei ihren Konkurrenten, auch bei der CDU, ist die AfD bei Männern deutlich beliebter als bei Frauen, ermittelte Infratest dimap. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz betrug der Unterschied demnach satte sechs Prozentpunkte, in Sachsen-Anhalt sogar neun: Dort wählten 18 Prozent der Frauen die AfD, aber 27 Prozent der Männer.

          Alter  – Auch das Alter entscheidet über die Parteipräferenz. Besonders stark ist die AfD bei Männern jüngeren und mittleren Alters, unter ihrem Gesamtergebnis liegt sie bei älteren Wählern. Das unterscheidet die AfD von den Volksparteien CDU und SPD, und verbindet sie mit den Grünen. Eine Ausnahme davon ist allerdings Baden-Württemberg: Dort verzeichneten die Grünen ausgerechnet unter Rentnern den stärksten Zuwachs. „Das Altersprofil der Grünen, das normalerweise in den Gruppen 35–60 Jahre einen dicken Bauch hat, hat sich nun auch nach oben erweitert“, bloggt der ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn – vermutlich eine Folge des Kretschmann-Effekts.

          Nichtwähler – Frühere Nichtwähler strömten der AfD in Massen zu: Von allen Parteien konnte sie mit Abstand die meisten Nichtwähler mobilisieren. Das zeigt das Wanderungsmodell von Infratest dimap, in dem Wählerwanderungsströme und sogenannte Haltequoten geschätzt werden. Demnach entschieden sich in Sachsen-Anhalt geschätzte 101.000 Nichtwähler für die AfD, in Baden-Württemberg sogar 209.000 und in Rheinland-Pfalz immerhin 80.000. Bei den Kleinstparteien, die in Umfragen immer unter „Andere“ aufgeführt werden, konnte die AfD deutlich mehr Wähler abfischen als ihre gesamte Konkurrenz zusammen.

          Enttäuschung und Protest – Dramatisch viele AfD-Wähler sind allgemein unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie. In Baden-Württemberg etwa sagen das 81 Prozent von ihnen – gegenüber 36 Prozent aller Befragten. Ihr Kreuzchen machten die meisten AfD-Wähler nicht etwa, weil sie von der Partei so sehr überzeugt wären, sondern vor allem, weil sie von den anderen Parteien enttäuscht sind. Grob gesagt, ist das Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel, während es sich bei der Gesamtheit aller Wähler genau anders herum verhält. Viele AfD-Wähler wollten den etablierten Parteien mit ihrer Entscheidung einen „Denkzettel“ verpassen. Das gaben in Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt fast die Hälfte der Befragten zu Protokoll. Das verleitet manche Politiker zu der Annahme, dass sich deren Problem mit der AfD von selbst lösen könnte, sobald die Protestwelle wieder abflaut. Andererseits werden der Flüchtlingsandrang und seine Folgen die Politik noch eine ganze Weile beschäftigen.

          Landtagswahlen:
          Wahlkreise, Sitze, Koalitionen

          Ergebnisse im Detail

          Sorge – Bei kaum einer Landtagswahl hat ein Thema so sehr die Agenda beherrscht wie nun der Flüchtlingsandrang. Das gilt vor allem für die AfD-Wähler. Sorgen wegen des Flüchtlingszuzugs machen sich nach eigenen Angaben durchweg über 90 Prozent von ihnen. Bei allen Wählern zusammengenommen sind es etwa die Hälfte (Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) bis zu zwei Dritteln (Sachsen-Anhalt).

          Auch die CSU zu wählen wäre für viele AfD-Anhänger übrigens eine Option gewesen – so sie denn angetreten wäre. In Sachsen-Anhalt unterstützen 57 Prozent ihrer Wähler die Aussage, es „wäre gut, wenn man hier die CSU wählen könnte“. In Rheinland-Pfalz sind es laut Infratest dimap sogar 72 Prozent.

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