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Pretzell springt Petry bei : AfD in NRW will dem Kurs der Bundespartei nicht folgen

  • Aktualisiert am

Stellt sich quer: der nordrhein-westfälische AfD-Parteivorsitzende Marcus Pretzell bei einer Rede auf dem Bundesparteitag der AfD im Maritim Hotel in Köln Bild: dpa

Auf dem Parteitag der AfD in Köln haben sich die Fronten weiter verhärtet: Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Marcus Pretzell hat sich von der Linie der Bundespartei scharf distanziert.

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          Frauke Petrys Lebensgefährte Marcus Pretzell stellte am Rande des Bundesparteitags der AfD in Köln klar, dass sein Landesverband eigene Wege gehen werde. „Wir verfolgen in Nordrhein-Westfalen einen anderen, realpolitischen Kurs als die Bundespartei – personell wie inhaltlich“, sagte er dem Sender Phoenix. AfD-Chefin Frauke Petry, die im Vorfeld auf eine Spitzenkandidatur verzichtet hatte, scheiterte mit genau diesem Anliegen,  eine „realpolitische“ Ausrichtung der Bundes-AfD durchzusetzen.

          Mittlerweile hat sich die AfD auch für den Bundestagswahlkampf aufgestellt: Parteivize Alexander Gauland und die baden-württembergische Ökonomin Alice Weidel wurden auf einem Parteitag in Köln als Spitzenduo gewählt. Die Delegierten sprachen sich am Sonntag mit 67,7 Prozent für das Spitzenduo aus. Anträge aus dem Petry-Lager, auf die Kür von Spitzenkandidaten ganz zu verzichten oder die Entscheidung zu vertagen, fanden keine Mehrheit.

          AfD beschließt rigorose Asylpolitik

          Die AfD beschloss zudem ihr Wahlprogramm, mit dem sie in fünf Monaten erstmals in den Bundestag einziehen will. In der Flüchtlingspolitik fordert die Partei unter anderem eine jährliche Mindest-Abschiebequote und ist gegen jeglichen Familiennachzug. Kriminelle Migranten sollen ausgebürgert werden. Bekräftigt wird der Anti-Islam-Kurs der Partei mit der Aussage, der Islam „gehört nicht zu Deutschland“.

          Ein Wahlziel für den 24. September wollten weder Weidel noch Gauland nennen. Vorstandsmitglied Weidel sagte unter dem Beifall der Delegierten, die AfD werde sich „nicht den Mund verbieten lassen“. Politische Korrektheit gehöre „auf den Müllhaufen der Geschichte“, so die 38 Jahre alte Volkswirtin.

          Köln : AfD zieht mit Gauland und Weidel in den Wahlkampf

          Der 76 Jahre alte Gauland sagte nach seiner Wahl an Petry gerichtet: „Wir brauchen Sie in der Partei und für den Wahlkampf.“ Bereits am Samstag hatte er betont, Petry sei „ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Gesicht der Partei und das bleibt sie auch“.

          Petry bleibt Parteivorsitzende

          Dem Parteitag war ein monatelanger Machtkampf vorausgegangen. Zum Auftakt des Kongresses warb Petry eindringlich dafür, dass sich die AfD auf einen „realpolitischen Kurs“ und das Ziel des Mitregierens festlegen sollte. Es gehe darum, breite Schichten der Bevölkerung zu erobern, die bisher durch das negative Außenbild der Partei abgeschreckt würden. Dass die Delegierten ihr dabei nicht folgten, nannte Petry einen „Fehler“.

          Ihre eigene Zukunft ließ Petry nach der Niederlage offen. Sie wolle in den kommenden Monaten beobachten, wie sich die Partei ohne die von ihr geforderte Kursänderung entwickele. Dies werde sie „als Parteivorsitzende, die ich bin und bleibe“ tun.

          In drei Wochen wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. In einer aktuellen Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des WDR-Magazins „Westpol“ erreicht die AfD nur noch acht Prozent. SPD-Chef Thomas Oppermann sagte der Zeitung „Welt“, die Partei habe in Köln einen „Rechtsruck“ vollzogen. Es gebe nun eine „echte Chance, dass die AfD es nicht in den Bundestag schafft“.

          Ein massives Polizeiaufgebot von mehr als 4000 Beamten schützte den AfD-Kongress. Am Samstagmorgen versuchten linksgerichtete Demonstranten, Delegierte am Betreten des Tagungshotels zu hindern. Polizisten eskortierten AfD-Mitglieder. Insgesamt waren mehrere zehntausend Gegendemonstranten unterwegs. So nahmen rund 15.000 Menschen an einer Kundgebung des Festkomitees Kölner Karneval für Vielfalt und Toleranz teil.

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