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Allensbach-Studie : Die scharfe Kante der AfD

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Auch wenn sich die Situation entspannt hat, ist nur ein Viertel der Bürger überzeugt, dass das Schlimmste ausgestanden ist. Zwar befürchtet auch nur eine Minderheit, dass es bald zu einer neuerlichen Eskalation kommt; die meisten sind jedoch unsicher. Die Einschätzung der Anhänger der AfD unterscheidet sich deutlich von diesem ambivalenten Stimmungsbild: Von ihnen ist die Mehrheit überzeugt, dass eine neue und gravierende Eskalation in der Eurozone zu erwarten ist.

Zuwanderung – für viele ein notwendiges Übel

Die Krise in der Eurozone hat im Verbund mit der inmitten dieser Turbulenzen eindrucksvoll robusten deutschen Konjunktur auch zu einer Zuwanderungswelle geführt, wie sie Deutschland seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Noch in den Jahren 2008 und 2009 verzeichnete Deutschland eine Nettoabwanderung, 2012 dagegen eine Nettozuwanderung von 369.000 Personen, 2013 von 437.000.

Aufgrund der gleichzeitig weiter abnehmenden Arbeitslosenzahlen führte dies nicht zu wachsenden Ressentiments in der Bevölkerung. Vielmehr nahm die Überzeugung, dass der deutsche Arbeitsmarkt Zuwanderung braucht, kontinuierlich zu: 2004 vertraten lediglich 27 Prozent der Bürger diese Auffassung, 2009 waren es 36 Prozent, 2011 sogar 41 Prozent, heute 53 Prozent.

Dagegen verlor die Position, die Aufnahmefähigkeit Deutschlands sei erschöpft, kontinuierlich an Unterstützung: von 42 Prozent vor zehn Jahren auf jetzt 18 Prozent. Trotzdem sind große Bevölkerungskreise weit davon entfernt, in Zuwanderung per se eine positive Entwicklung zu sehen; sie gilt vielen eher als notwendig denn als wünschenswert.

Der Konsens wird aufgebrochen

Die aktuellen Flüchtlingsströme geben dem Thema eine andere Dimension und haben das Potential, erhebliche Besorgnis auszulösen. Noch ist die große Mehrheit der Bevölkerung gelassen, teilweise auch angerührt von den menschlichen Tragödien. Ein Rückblick auf die frühen neunziger Jahre zeigt jedoch, dass ein gravierender Anstieg von Asylsuchenden durchaus auch kurzfristig heftige Reaktionen auslösen kann, wenn der Eindruck entsteht, dass die Situation außer Kontrolle gerät.

Große politische Herausforderungen sind die Bewältigung von Flüchtlingswellen und der Umgang mit Zuwanderung sowie die Gestaltung Europas und einer sinnvollen Aufgabenteilung zwischen europäischer und nationaler Ebene. Das sind auch Themen, über die es in den vergangenen Jahren keine nennenswerten kontroversen Diskussionen zwischen den etablierten Parteien gegeben hat.

Die AfD legt zu und würde mit 7,5% in den Bundestag einziehen.
Die AfD legt zu und würde mit 7,5% in den Bundestag einziehen. : Bild: F.A.Z.

Die Linke hat zwar häufiger abweichende Positionen vertreten, wird jedoch nach wie vor primär als Regionalpartei wahrgenommen und hat Mühe, mit ihren Positionen durchzudringen. Entsprechend waren die Deutschen über die vergangenen Jahre hinweg mit einem parteiübergreifenden Konsens konfrontiert, sowohl in Bezug auf den europäischen Weg wie bei den Reaktionen auf die verstärkte Zuwanderung. An sich ist bemerkenswert, dass sich hier nicht früher neue politische Gruppierungen formiert haben, die diesen Konsens durchbrechen, wie dies in anderen europäischen Ländern bereits seit längerem der Fall ist.

Für AfD-Anhänger ist die EU ein Risikofaktor

In der AfD sammeln sich Wähler, denen die europäische Integration zu weit geht und denen die Zuwanderung teilweise Unbehagen bereitet. Die europäische Gemeinschaftswährung wird von AfD-Anhängern völlig anders bewertet als von der übrigen Bevölkerung. Nach wie vor ist die große Mehrheit zwar nicht begeistert, im Währungsverbund zu leben. Insgesamt sind jedoch nur 24 Prozent überzeugt, dass der Euro für Deutschland überwiegend Nachteile mit sich bringt. Von den AfD-Anhängern glauben das 73 Prozent.

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