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Äußerungen über Homosexualität : Lob für Papst Franziskus

  • Aktualisiert am

Franziskus verlässt Brasilien nach dem Weltjugendtag Bild: AP

Der Papst hat Schwule und Lesben in Schutz genommen. Nicht Personen mit homosexueller Veranlagung seien das Problem, sagte Franziskus, sondern die Bildung von Seilschaften im Vatikan.

          Papst Franziskus hat Schwule und Lesben gegen Diskriminierung verteidigt. Über einen Homosexuellen, der Gott suche und ein Mensch guten Willens sei, könne er nicht den Stab brechen: „Wer bin ich, ihn zu verurteilen“, sagte der Papst auf dem Rückweg von Brasilien am Montag vor mitreisenden Journalisten. Zu Berichten über ein angebliches Homosexuellen-Netzwerk im Vatikan sagte er, nicht Personen mit homosexueller Veranlagung seien das Problem, sondern die Bildung von Seilschaften.

          Der Sprecher der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, nannte es ein ermutigendes Zeichen„, wenn Franziskus einen offeneren Umgang mit Homosexuellen predigte. “Ich wäre froh, wenn sich endlich im 21. Jahrhundert Christen in ihrer katholischen Kirche unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung geborgen fühlen könnten“, sagte Meinhardt.

          Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, begrüßte die Äußerungen des Papstes. Sie machten „Hoffnung auf eine neue Haltung des Vatikan zu den Menschenrechten von Lesben und Schwulen. Aber vielmehr als eine Hoffnung ist es nicht“, fügte Beck hinzu. Als Erzbischof von Buenos Aires habe der heutige Papst „gegen die Bürgerrechte von Lesben und Schwulen gewettert“. Auch die aktuelle Rede des Kirchenoberhaupts von einer „Schwulenlobby“ gebe „Rätsel auf“, sagte Beck.

          „Man sagt, es gebe solche Personen“

          Die SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament sprachen von einer „überfälligen Äußerung“ des Papstes, dass Homosexuelle nicht an den Rand gedrängt werden sollten. „Sie sind unsere Brüder“, verbreiteten die Abgeordneten über den Kurznachrichtendienst Twitter.
          Der Sprecher der katholischen Reformbewegung „Wir sind Kirche“ Christian Weisner sagte über die Äußerungen des Papstes: „Dies kann und muss ein Befreiungsschlag für alle Priester sein, die homosexuell sind und dies bisher verbergen mussten.“ Bisher hätten schwule Priester oftmals in Angst vor Erpressung oder in Angst vor kirchlichen Sanktionen leben müssen.

          Franziskus war auf dem Rückweg vom Weltjugendtag von mitreisenden Journalisten auf Berichte über eine „Homosexuellen-Lobby“ im Vatikan angesprochen worden. Er antwortete darauf, im Vatikan habe ihm niemand einen Ausweis gezeigt, dass er homosexuell sei. „Man sagt, es gebe solche Personen.“

          Die katholische Lehre verbiete zudem eine Diskriminierung von Homosexuellen und fordere deren Integration, betonte Franziskus unter Verweis auf den Katechismus der katholischen Kirche. Nach dessen Maßgabe ist die homosexuelle Veranlagung an sich nicht sündhaft, sondern das Praktizieren der Homosexualität. Auf die Frage, wie die Kirche mit praktizierenden Homosexuellen umgehen solle, ging der Papst nicht ein.

          Vor mehreren Wochen war im Internet das Protokoll eines Gesprächs zwischen Franziskus und südamerikanischen Ordensleuten aufgetaucht. Demnach soll der Papst ihnen die Existenz eines Homosexuellen-Netzwerks im Vatikan bestätigt haben.

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