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Ägypten : Starker Mann in neuen Kleidern

  • -Aktualisiert am

Sisi-Anhänger jubeln auf dem Tahrir-Platz in Kairo Bild: REUTERS

Armeechef Sisi hat seine Uniform abgelegt, um ägyptischer Präsident zu werden. Auf seinem Weg zur Macht gibt es kaum noch Hindernisse. Er hat ihn sich sorgsam selbst bereitet.

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          In Uniform wird man Feldmarschall a.D. Abd al Fattah al Sisi wohl nicht mehr sehen. „Es war mir eine Ehre, darin die Nation zu verteidigen“, sagte der scheidende ägyptische Armeechef am Mittwochabend in einer Fernsehansprache, in der er seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl bekanntgab. Doch heute lasse er die Uniform hinter sich – ebenfalls „um die Nation zu verteidigen“. Schon bei seinen ersten Auftritten als Zivilist am Donnerstag trug der 59 Jahre alte Sisi Anzug und Krawatte. Dass er die Präsidentenwahl gewinnt, die wahrscheinlich Ende Mai stattfindet, gilt als sicher. Doch natürlich lassen sich die vielen Jahre, die Sisi in den ägyptischen Streitkräften Dienst tat, nicht einfach mit einem Kleiderwechsel beiseite legen. In seiner 45 Jahre langen Militärlaufbahn hatte Sisi eine Eliteausbildung in Großbritannien und den Vereinigten Staaten absolviert, Jahre als Militärattaché an der ägyptischen Botschaft in Saudi-Arabien verbracht und Spitzenposten auf der Sinai-Halbinsel und im Militärgeheimdienst innegehabt.

          Vor seinem Abschied in die Politik hatte Sisi noch sein altes Haus bestellt. Mitte März tauschte er General Ahmad Wasfi aus, den Kommandierenden der Zweiten Armee, die für Sicherheit im umkämpften Norden der Sinai-Halbinsel und entlang des Suez-Kanals zuständig ist – und entledigte sich damit eines möglichen politischen Widersachers. Auch die an Rotes Meer, Libyen und Sudan grenzende südliche Militärzone untersteht seit zwei Wochen einer neuen Führung. Angesichts des andauernden Waffenschmuggels aus den Nachbarstaaten und des blutiges Kampfes gegen islamistische Terroristen auf dem Sinai wollte der Staatschef in spe sichergehen, ihm treu ergebene Generale an der Spitze der beiden strategisch wichtigen Divisionen zu haben. Sein Nachfolger an der Spitze der Armee und des Verteidigungsministeriums ist sein Ziehsohn, der bisherige Generalstabschef Sedki Sobhi. Er wurde von Übergangspräsident Adli Mansur am Mittwoch zum Generaloberst befördert.

          Prophezeiungen eines schnellen Endes

          Das ägyptische Wahlgesetz sieht vor, dass nur Zivilisten für das höchste Staatsamt kandidieren dürfen – auch wenn seit Gründung der Republik vor mehr als sechzig Jahren bis auf den Islamisten Muhammad Mursi stets ehemalige Militärs das Land regierten. Sisi wäre der vierte seit der Revolution von 1952, als die von Gamal Abd al Nasser geführten Freien Offiziere König Faruk stürzten. Eine „extrem harte Zeit“ liege vor ihnen, sagte Sisi seinen Landsleuten am Mittwochabend. „Meine Mission ist es, Ägypten wiederherzustellen.“ Das Land steht vor dem Bankrott, viele prophezeien Sisi angesichts der überbordenden Probleme ein ebenso schnelles Ende wie dem nach nur einem Jahr im Amt gestürzten Mursi.

          Schon zum zweiten Mal gibt der als eine Art Politbüro der Streitkräfte fungierende Hohe Militärrat (Scaf) die Macht zurück in zivile Hände. Das Gremium der Generale hatte nach dem Sturz Mubaraks im Februar 2011 bis zum Amtsantritt Mursis im Juni 2012 ebenso auf Repression gegen die Demokratiebewegung gesetzt wie nach der von Sisi verkündeten Absetzung Mursis vergangenen Juli. 215 Tote zählten Menschenrechtsorganisationen bei Demonstrationen gegen die 16 Monate währende erste Herrschaft der Militärjunta. Auch Sisi war tief in ihre Machenschaften verstrickt. Sein Versuch im März 2011, die entwürdigenden „Jungfräulichkeitstests“ an Demonstrantinnen zu rechtfertigen, kostete die Streitkräfte viel Ansehen.

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