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ADAC : Nicht mehr Engel?

Bild: AFP

Wie erklärt sich der Sturm der Entrüstung, der sich gegen den ADAC richtet? Hat der Club ausgedient? Die Antwort darauf liefern die Pkw-Maut-Engel.

          Es muss sich eine Menge Wut angestaut haben gegen einen der mächtigsten Interessenverbände Deutschlands. Denn der Sturm der Entrüstung über den Vorzeigeverein der deutschen Autofahrer kontrastiert ein wenig gegen deren Anlass, die Manipulation am „Gelben Engel“, einer Auszeichnung durch die offenbar etwas trägen Leser des Vereinsorgans, von der selbst der eine oder andere deutsche Autofahrer bis zum Wochenende nicht wirklich etwas wissen musste.

          Die ersten Empörungswellen schlugen über den „Verein“ aber deshalb mit solcher Wucht hinweg, weil Manipulation, gar Korruption auch in anderen weit wichtigeren Erhebungen und Statistiken vermutet werden, mit denen der ADAC die Verkehrspolitik in diesem Land nicht unerheblich zu beeinflussen weiß. Was aber noch zu beweisen wäre. Der mächtigste Autofahrerverband der Autofahrernation eignet sich derweil als Demonstrationsobjekt allzu aufdringlicher und verwerflicher Lobbyarbeit.

          Erklärt das die Wut schon zur Genüge? Wenn es die kalkulierte Wut ist, die einen Engel wie Horst Seehofer durch die Politik treibt, dann wohl schon. Denn der bayerische Ministerpräsident wunderte sich, oh Wunder, schon seit langem über die Zahlen des ADAC; jetzt konnte er endlich damit raus. Früher lag der Club offenbar noch goldrichtig, aber nicht mehr, seit die CSU auf der Autobahn grenzüberschreitender Mobilität die Spur gewechselt hat, einen Gang hochschaltet und gegen den ADAC und andere Freiheitsapostel eine Pkw-Maut durchsetzen will. So kam auch für den nach Berlin entsandten Pkw-Maut-Minister Dobrindt die Affäre wie gerufen: Ein bisschen mehr Bescheidenheit stünde dem ADAC gut an. Bescheidenheit meint in diesem Fall nicht ein Verhalten, von dem man sich wünscht, dass es dem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer in die Wiege gelegt worden wäre. Es meint: Künftig Klappe halten.

          Gegenüber dem deutschen Autofahrer und seinem verbandspolitischen Schutzengel ist das, gelinde gesagt, ein atypisches Verhalten deutscher Politik. Doch die CSU ist modern und weiß, dass der deutsche Autofahrer nicht mehr der Freie-Fahrt-Ideologe ist, der er angeblich einmal war, sondern zu den vielen gehört, die sagen: So gehört es den großen grauen (im Unterschied zu den jungen grünen) Verbänden einmal gesagt, denen „Manipulation“ offenbar nicht oft genug unterstellt werden kann. Doch wenn er dann am Straßenrand steht, der deutsche Autofahrer, und nicht mehr weiter weiß, ist er doch ganz froh über den „Gelben Engel“.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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